Alexander Zverev steht vor dem größten Erfolg seiner Karriere: Der deutsche Tennisprofi wird spätestens Mitte November zur neuen Nummer eins der Weltrangliste aufsteigen. Möglich wird das, obwohl er in diesem Jahr keinen der Topspieler Carlos Alcaraz, Jannik Sinner oder Novak Djoković bezwungen hat. Genau das sorgt für scharfe Kritik an seinem Erfolg.
Grundlage für den Sprung an die Spitze ist eine Mischung aus eigener Leistung und dem Ausfall der Konkurrenz. Zverev gewann 2026 die French Open als sein erstes Grand-Slam-Turnier und setzte mit dem Titel bei den US Open nach. Zusätzlich erreichte er das Finale von Wimbledon. Mit 9.720 Punkten liegt er nur noch 1.280 Punkte hinter dem bisherigen Spitzenreiter Jannik Sinner.
Warum gilt Zverevs Aufstieg als historisch?
Sollte Zverev die Führung übernehmen, wäre er erst der zweite deutsche Tennisprofi nach Boris Becker, dem das gelingt. Becker stand 1991 insgesamt zwölf Wochen an der Weltranglistenspitze. Für Zverev summieren sich mehrere Ergebnisse aus diesem Jahr zu seiner aktuellen Position:
- Titelgewinn bei den French Open 2026
- Titelgewinn bei den US Open 2026
- Finaleinzug bei Wimbledon 2026
- Aktuell 29 Jahre alt
Hinzu kommt ein technischer Effekt: Sinner verliert durch das System der ATP, bei dem Ranglisten alle 52 Wochen aktualisiert werden, seine Punkte aus dem Vorjahr – darunter 1.500 Punkte für den ungeschlagenen Sieg bei den ATP-Finals sowie Punkte aus Turniersiegen in Wien und Paris.
Was macht Kritiker an Zverevs Nummer eins stören?
Der Tennisjournalist Scott Barclay kritisiert, dass Zverev zwei Grand-Slam-Titel und die Spitzenposition erreicht, ohne Alcaraz, Sinner oder Djoković geschlagen zu haben. Tatsächlich bezwang Djoković ihn im Halbfinale von Peking. Kritiker führen den bevorstehenden Aufstieg deshalb vor allem auf Verletzungen bei Alcaraz und Sinner sowie auf das fortgeschrittene Alter Djokovićs zurück.
Auch John McEnroe äußerte sich nach Zverevs US-Open-Sieg als ESPN-Experte und wünschte Alcaraz und Sinner eine schnelle Genesung. Boris Becker stellt sich dagegen klar hinter Zverev: Er betont, dass der Spieler nichts für die Verletzungen seiner Konkurrenten könne und seine eigenen Erfolge dennoch zähle.
Wie geht es für Zverev weiter?
Sinner hat sein Saisonende wegen anhaltender Knieprobleme bereits verkündet und führt die Weltrangliste derzeit noch mit 11.000 Punkten an. Die Entscheidung über die neue Nummer eins dürfte beim ATP-Turnier in Wien fallen, das vom 26. Oktober bis 1. November stattfindet. Spätestens am Montag danach könnte Zverev offiziell an die Spitze rücken, selbst ohne einen weiteren Titelgewinn.