Das Unternehmen Neura Robotics steht derzeit im Zentrum eines ungewöhnlichen Industrieprojekts: Der Energiekonzern Eon und die EnviaM-Gruppe wollen humanoide Roboter künftig für Inspektionen im Stromnetz einsetzen.
Geprüft werden Aufgaben, die für Beschäftigte körperlich belastend, wiederkehrend oder potenziell gefährlich sind, etwa die Überwachung von Umspannwerken.
Für das Projekt kommt das Robotermodell 4NE1 von Neura Robotics zum Einsatz. Es kann sich in Anlagen bewegen, die ursprünglich für Menschen gebaut wurden, über Treppen, durch Türen und an Schaltschränken, ohne dass die Anlagen dafür umgebaut werden müssen.
Training im RoboGym
Geübt wird konkret im TUM RoboGym, einer Trainingseinrichtung der Technischen Universität München auf dem LabCampus beim Flughafen München. Dort sollen Fachkräfte der Energieversorger reale Arbeitsabläufe vorführen und ihre Anforderungen direkt einbringen. Sensoren erfassen dabei die Bewegungen und Handlungen der Mitarbeitenden.
Drei Datenquellen fließen in das Training ein: Vorführungen durch Menschen, Aufzeichnungen aus dem Einsatz echter Roboter sowie ergänzende Simulationen in virtuellen Umgebungen. Auf diese Weise sollen die Maschinen lernen, visuelle, akustische und taktile Eindrücke zu deuten, ehe Mitnetz Strom sie anschließend im echten Netzbetrieb testet.
Die Technik dahinter
Den technischen Kern bildet das KI-System Neuron AI von Neura Robotics, das außer Bildern auch Töne, Berührungen und Krafteinwirkungen verarbeiten kann. Trainierte Fähigkeiten sollen anschließend über die Plattform Neuraverse bereitgestellt werden, damit sie auch an anderen geeigneten Einsatzorten genutzt werden können. Eon und EnviaM behalten nach Angaben der Partner dabei die Kontrolle über ihre eigenen Daten und die trainierten Fähigkeiten.
Ein Prüfstein für das Unternehmen
Für Neura Robotics ist die Zusammenarbeit mit zwei großen Energiekonzernen ein Test, ob sich die eigene Technologie im industriellen Alltag bewährt, fernab von Vorführungen und Messen. Ob und wann die Roboter tatsächlich im laufenden Netzbetrieb arbeiten, hängt von den Ergebnissen der Erprobung durch Mitnetz Strom ab. Eine Aussage dazu, wann dieser Schritt erfolgt, liegt bislang nicht vor.