Mehr als 10.000 Euro parken 11,2 % der Menschen in Deutschland auf ihrem Girokonto, wie die Deutsche Bundesbank ermittelt hat. Das arithmetische Mittel aller Guthaben liegt bei 7.100 Euro, der Median jedoch nur bei 1.800 Euro – die Mehrheit hält also deutlich weniger auf dem Konto als der Durchschnittswert vermuten lässt.
Für Finanzprofis ist diese Spanne ein Problem, denn Girokonten bieten kaum Zinsen, wodurch größere Summen durch die Inflation an Kaufkraft verlieren.
So verteilt sich das Guthaben auf deutschen Girokonten
Die Bandbreite zwischen den Haushalten ist groß. 17 % kommen mit höchstens 500 Euro aus, 23,3 % liegen bei maximal 1.000 Euro. Am anderen Ende der Skala steht gut jeder neunte Haushalt, der mehr als 10.000 Euro bereithält.
Zählt man neben dem Girokonto auch Immobilien, Fahrzeuge und Wertpapiere dazu, kommt das Nettovermögen eines Haushalts laut Bundesbank im Mittelwert auf rund 100.000 Euro, sodass das Girokonto davon nur einen kleinen Teil ausmacht.
Warum viele trotzdem kaum sparen können
Nach Angaben der Bundesbank sparten die Menschen in Deutschland in der ersten Jahreshälfte 2026 durchschnittlich 10,3 % ihres verfügbaren Einkommens, was in etwa 270 Euro je Kopf und Monat entspricht. Der Wunsch liegt höher: Im Schnitt wollen Menschen 300 Euro monatlich zurücklegen, tatsächlich schaffen sie nur 200 Euro.
Die Hälfte der Haushalte kann wegen gestiegener Lebenshaltungskosten überhaupt regelmäßig sparen. Bei einem Nettoeinkommen unter 1.500 Euro gelingt das nur noch jedem fünften Haushalt. Besonders deutlich wird die Lücke bei unerwarteten Ausgaben: 32,2 % der Bevölkerung könnten eine spontane Rechnung von 1.250 Euro nicht aus eigenen Mitteln begleichen.
Das Girokonto ist für viele zum Sparkonto geworden
Etwa die Hälfte aller Menschen in Deutschland nutzt ihr Girokonto zugleich als Sparkonto. Genau hier setzen Finanzprofis an: Wer größere Summen dauerhaft auf dem Girokonto liegen lässt, verschenkt Rendite, die ein Tagesgeldkonto bieten würde.
Als Faustregel für die sogenannte eiserne Reserve nennen Finanzexperten 3 bis 6 Nettomonatsgehälter. Eine einfachere Formel lautet: monatliche Fixkosten mal 3 – dieser Betrag soll kurzfristig verfügbar sein, der Rest gehört in besser verzinste Anlageformen.
Wie schnell kommt man wieder an sein Geld?
Der Einwand, Geld müsse jederzeit griffbereit sein, zieht laut Finanzprofis nur bedingt. Guthaben auf einem Tagesgeldkonto lässt sich in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Banktagen auf das Girokonto umbuchen.
Liegen beide Konten bei derselben Bank, geschieht das meist sogar in Echtzeit. Wer also einen Notgroschen nach der 3er-Formel auf dem Girokonto hält und den Rest aufs Tagesgeld verschiebt, verliert kaum an Flexibilität, gewinnt aber an Zinsertrag.