Jakob Logar ist Gründer des Grazer Startups versa, das Mitarbeitende mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz auf schwierige Kundengespräche vorbereitet. Inzwischen zählt versa rund 14 zahlende Unternehmenskunden.
Wofür Logar steht
Unter den Auftraggebern von versa finden sich sowohl ein großes Bankinstitut als auch einer der führenden Versicherungskonzerne Deutschlands. Angesprochen werden vor allem Firmen ab 20 Beschäftigten in Positionen mit direktem Kundenkontakt. Bei größeren Konzernen dauert der Verkaufsprozess laut Logar länger, weil rechtliche Prüfungen zum Einsatz von KI Zeit kosten.
Trotz dieser Hürden ist das Unternehmen bereits profitabel, obwohl es bislang ausschließlich aus Eigenmitteln finanziert wurde.
Vom Vertrieb zur KI
Die Idee für versa entstand aus Jakob Logars eigenen Erfahrungen im B2B-Vertrieb am Grazer Know-Center, wo er die mangelnde Skalierbarkeit klassischer Kommunikationstrainings erlebte. Gemeinsam mit Elija Dentler und Maximilian Brehm, der zuvor als KI-Engineer an der Medizinischen Universität Innsbruck geforscht hatte, entwickelte er das Konzept, schwierige Kundengespräche mithilfe von KI-Personas digital und realitätsnah zu simulieren.
Aus dieser Erfahrung entwickelte Logar mit seinem Team eine Plattform, die mehrere KI-Modelle für Szenarioerstellung, Sprachinteraktion und Auswertung kombiniert. Unternehmen können eigene Unterlagen und Kundenprofile einbinden, etwa Produktinformationen oder Gesprächsleitfäden. Darauf aufbauend generiert das System maßgeschneiderte Trainingssituationen, inklusive passender Kundenrollen und vorab definierter Bewertungsmaßstäbe.
Die abgelehnte Förderung
Das Gründerteam hatte auf eine aws-Seedförderung gehofft und sich im Frühjahr 2026 dafür beworben. Nach einem Pitch wurde der Antrag jedoch abgelehnt. Die drei Gründer brachten stattdessen Stammkapital von 10.000 Euro auf und finanzierten versa von da an vollständig aus eigenen Mitteln.
Diese Entscheidung zwang das Team, früh auf zahlende Kunden zu setzen statt auf Investorengeld zu warten. Mittlerweile sind mit versa rund 1.500 Übungsgespräche geführt worden, bei denen Mitarbeitende per Sprache mit der KI interagieren und direktes Feedback erhalten.
Pragmatismus als Prinzip
Versa entwickelt bewusst keine eigenen KI-Basismodelle, sondern setzt laut Logar auf eine flexible Architektur mit austauschbaren Komponenten. Die Plattform wird derzeit vor allem beim Onboarding neuer Mitarbeitender eingesetzt, dabei reagiert die KI je nach Szenario skeptisch, ungeduldig oder konfrontativ.
Kunden-Geschäftsführer Bernd Ellersdorfer (vom Automationsspezialisten Roboschaf) begründet den Einsatz der Software in seinem Haus damit, dass sich Vertriebsprofis dadurch schneller einarbeiten lassen und sich sowohl die Qualität als auch vermiedene Verluste durch fehlgeschlagene Kundentermine verbessern. Die Organisation Löwenmut setzt versa im Bereich Mobbingprävention ein.
Ziel: Menschen stärken
Mit seinem Angebot wendet sich das Startup an Firmen im deutschsprachigen Raum ebenso wie an spezialisierte Trainingsanbieter. Versa will niemanden ersetzen, sondern Gesprächspartner dabei unterstützen, ihre Fähigkeiten im direkten Austausch zu verbessern.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.