Microsoft stellt rund 60.000 Beschäftigte vor die Wahl: ein freiwilliges Abfindungsangebot annehmen oder bleiben. Der Konzern hält zugleich an seinen milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur fest.
Das freiwillige Abfindungsangebot richtet sich an Mitarbeiter in den USA, Kanada, Indien und Großbritannien bis zur Ebene der Vizepräsidenten. Maximal betrifft diese Option damit etwa 27 % der weltweiten Belegschaft von 223.000 Personen. Datenzentren, Vertrieb und Marketing sind von dem Angebot ausgenommen. Wer zustimmt, verlässt das Unternehmen bis Ende 2026.
Wen trifft das Abfindungsangebot?
Berechtigt sind laut Unternehmensangaben Beschäftigte, die auf der internen Erfahrungsskala von Microsoft höchstens 70 Punkte erreichen. Die höchsten betroffenen Positionen sind damit Vizepräsidenten, nicht die Konzernspitze selbst. Das Fenster zur Annahme läuft bis Anfang Dezember 2026, der tatsächliche Austritt folgt später im selben Monat.
Die Konditionen fallen je nach Punktestand unterschiedlich aus:
- Mitarbeiter mit 64 Punkten oder weniger erhalten eine Woche Gehalt pro sechs Monate Betriebszugehörigkeit.
- Mitarbeiter mit 65 bis 67 Punkten bekommen zwei Wochen Gehalt pro sechs Monate Betriebszugehörigkeit.
- Microsoft gewährt zusätzlich Aktienvesting für 6 bis 12 Monate.
- Dazu kommen eine fortgesetzte Krankenversicherung und Outplacement-Unterstützung.
Es ist bislang unklar, welche konkreten Geschäftsbereiche vom Stellenabbau am stärksten betroffen sind. Bereits im April 2026 hatte Microsoft ein Frühruhestandsprogramm angeboten, das rund 8.750 Mitarbeiter erreichte und von etwa 30 % angenommen wurde. Im Juli 2026 folgten direkte Kürzungen von rund 4.800 Arbeitsplätzen, umgerechnet 2,1 % der globalen Belegschaft.
Warum investiert Microsoft trotzdem Milliarden in KI?
Während die Belegschaft schrumpfen könnte, wachsen die Investitionen. Im vierten Quartal des Geschäftsjahrs 2026 gab Microsoft 34,9 Milliarden Dollar für Kapitalausgaben aus und übertraf damit die eigene Vorhersage von 30 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorquartal mit 24,2 Milliarden Dollar entspricht das einem Anstieg um 10,7 Milliarden Dollar. Allein 11,1 Milliarden Dollar davon flossen in Datenzenterleasings.
Für das Geschäftsjahr 2027 nennt Microsoft gegenüber Investoren eine Leitlinie von rund 175 Milliarden Dollar Kapitalausgaben. Der Konzern will die KI-Kapazität in diesem Geschäftsjahr um mehr als 80 % erhöhen und den Datenzenter-Fußabdruck innerhalb von zwei Jahren etwa verdoppeln.
Der Umsatz stützt diesen Kurs: Im Quartal bis Juni 2026 wuchs er um 18 % auf 90,01 Milliarden Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 4,74 Dollar und übertraf die Schätzungen um mehr als ein Zehntel.
Wie geht es für Microsoft weiter?
Im vergangenen Quartal eröffnete Microsoft 31 neue Rechenzentren. Parallel dazu setzt der Konzern auf eigene Hardware: Der Maia 300 Inferenz-Beschleuniger soll 40 % mehr Tokens pro Megawatt liefern als führende Grafikkarten am Markt. Microsoft plant, die Maia-Chip-Serie künftig als primäre Quelle für Inferenz-Kapazität einzusetzen und damit einen Teil der KI-Rechenlast von externen Zulieferern unabhängiger zu machen.