Monika Sandberger leitet die Initiative zukunft.lehre.österreich. Ihre zentrale Erkenntnis: Bei der direkten Lehrlingssuche zählt die regionale Nähe zum Betrieb zunehmend mehr als die reine Auswahl an Berufen.
Dabei gibt es in Österreich mehr als 200 verschiedene Lehrberufe. Viele Jugendliche kennen davon jedoch nur einen kleinen Teil, wie Beobachtungen von z.l.ö. zeigen.
Wofür Sandberger steht
Sandberger steht für die These, dass Betriebe ihre Lehrlingssuche stärker auf das direkte Umfeld ausrichten sollten. Jugendliche wählen ihren Beruf und ihren Betrieb nach Beobachtung von z.l.ö. oft auf Empfehlung von Eltern, Großeltern, Geschwistern oder Freunden. Wer als Unternehmen in dieser sozialen Nähe sichtbar ist, hat demnach einen klaren Vorteil gegenüber Betrieben, die nur auf überregionale Kampagnen setzen.
Wie kam es zu diesem Umdenken bei Betrieben?
Unternehmen nutzen laut z.l.ö. längst digitale Kanäle, um Nachwuchs zu gewinnen. Bei der direkten Ansprache setzen sie nach Beobachtung der Initiative aber zunehmend auf kleinere, regional verankerte Formate.
- Social-Media-Aktivitäten ergänzen die klassische Suche.
- Tage der offenen Tür zeigen den Betrieb vor Ort.
- Berufsinfo- und Lehrlingsmessen bringen Jugendliche und Betriebe zusammen.
- Persönliche Kontakte in der Region schaffen Vertrauen.
Für Sandberger ist diese Kombination kein Widerspruch, sondern eine logische Folge daraus, wie Jugendliche tatsächlich entscheiden: über Menschen, die sie kennen, und Orte, die sie erreichen können.
Welche Rolle spielt die Entfernung zum Ausbildungsplatz?
Die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz wird für Betriebe bei der Lehrlingsrekrutierung zu einem zunehmend bedeutsamen Faktor, wie z.l.ö. feststellt. Für 15- und 16-Jährige sind längere Arbeitswege demnach oft eine praktische Hürde, besonders im ländlichen Raum.
Manche Unternehmen reagieren darauf mit sogenannten Lehrlingsshuttles: Sie holen Jugendliche an zentralen Punkten ab und bringen sie zum Ausbildungsbetrieb. Für Sandberger zeigt dieses Beispiel, wie konkret Betriebe inzwischen auf die Lebensrealität junger Bewerber eingehen müssen, wenn sie im Wettbewerb um Lehrlinge bestehen wollen.
Was fordert Sandberger von der Politik?
Basierend auf diesen Erkenntnissen formuliert die operative Leiterin von zukunft.lehre.österreich. einen Appell an die Politik: Sandberger fordert eine verpflichtende, realitätsnahe und ergebnisoffene Orientierung für Beruf und Bildung in sämtlichen Schulformen des Landes.
Nur wenn Jugendliche frühzeitig und praxisnah mit der Bandbreite an Lehrberufen in Berührung kommen, lasse sich die Lücke zwischen dem Angebot an Lehrberufen und dem begrenzten Wissen vieler Jugendlicher verringern.