Die deutsche Wirtschaft stagniert demnach bereits seit sieben Jahren, und die Bürokratie belastet sie zusätzlich erheblich. Für den Einzelnen gilt aus seiner Sicht dennoch: Wer sich nicht als Opfer begreift, kann trotz widriger Rahmenbedingungen eigene Ziele erreichen.
Seine Einschätzung stützt sich auf eine Reihe wirtschaftlicher Kennzahlen, die er in seinem Kommentar zusammenträgt. Sie zeichnen ein Bild zunehmender struktureller Probleme, denen er eine klare persönliche Haltung entgegensetzt.
Warum sieht Zitelmann für Deutschland schwarz?
Hinzu kommt die wachsende bürokratische Last: Seit 2022 mussten Unternehmen rund 325.000 Arbeitnehmer allein einstellen, um gesetzliche Auflagen zu erfüllen.
- Die deutsche Bundesgesetzgebung umfasste 2010 etwa 25.000 Seiten.
- Inzwischen ist der Umfang auf rund 40.000 Seiten angewachsen.
- Jährlich kommen rund 1.000 neue Seiten hinzu.
- Ein Ökonom bewertet Deutschlands Zukunftsaussichten auf einer Skala von 0 bis 10 mit lediglich 2,5.
Rechenbeispiel: Was die Bürokratie täglich kostet
Die vom ifo Institut genannten 146 Milliarden Euro Schaden pro Jahr lassen sich auf den Tag herunterrechnen: Geteilt durch 365 Tage ergibt das rund 400 Millionen Euro an täglichen Kosten durch Bürokratie. Auch der Zuwachs der Gesetzestexte passt in dieses Bild: Zwischen 2010 und 2026 wuchs der Umfang um rund 15.000 Seiten, das entspricht etwa 938 Seiten pro Jahr – nahe am zuvor genannten jährlichen Zuwachs.
Warum rät er Einzelnen trotzdem zu Optimismus?
Trotz der düsteren Gesamtlage warnt Zitelmann ausdrücklich vor einer Opfermentalität. Seine Botschaft richtet sich an jeden, der glaubt, von den strukturellen Problemen automatisch mitgerissen zu werden: Die eigene Karriere lasse sich auch in einem schwierigen Umfeld aktiv gestalten.
Als Beleg dafür, dass Menschen in Deutschland durchaus handlungsfähig bleiben, verweist der Kommentar auf das Auswanderungsverhalten. Viele Deutsche ziehen demnach in die Schweiz, nach Österreich, in die USA oder nach Kanada – und zeigen damit, dass eigenes Handeln trotz ungünstiger Rahmenbedingungen möglich ist.
Was bedeutet das für den Berufseinstieg in Deutschland?
Besonders junge Fachkräfte und Akademiker verlassen Deutschland laut Institut der deutschen Wirtschaft und OECD vermehrt in der Phase ihres Berufseinstiegs. Als Hauptmotive nennen die Institutionen bessere Karrierechancen, höhere Einkommen, eine geringere Steuerbelastung und bessere Lebensbedingungen.
Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung und der Universität Duisburg-Essen zeigt zudem, dass deutsche Auswanderer mit rund 75 % eine deutlich höhere Hochschulquote aufweisen als die nicht mobile Bevölkerung mit etwa 25 %.