Aus einer Einzelkämpferin ist ein Team geworden: Alexandra Lafer betreut mit den Wundprofis Menschen mit akuten und chronischen Wunden ambulant in Graz und Gleisdorf sowie mobil im Raum Graz, Gleisdorf und Leibnitz, in Weiz nach Absprache. Viele Betroffene erfahren erst spät, dass spezialisiertes Wundmanagement eine eigenständige Anlaufstelle ist. Im Gespräch erklärt die zertifizierte Wundmanagerin, warum Ursachenklärung, verständliche Beratung und alltagstaugliche Verbände über den Verlauf einer Wunde entscheiden.
Gewinner.de: Frau Lafer, Ihr Satz, Wundpflege ist „mehr als Pflaster wechseln“, klingt fast wie eine Kampfansage. Was steckt dahinter?
Alexandra Lafer: Dahinter steckt vor allem Erfahrung. Wenn jemand mit einer chronischen Wunde zu den Wundprofis kommt, beginnt die Arbeit nicht am Verbandmaterial, sondern am Menschen. Ich will wissen, wie jemand lebt, was er isst, wie er geht, welche Grunderkrankungen vorliegen und welche Schmerzen bestehen. Die Wunde gehört zum Menschen, sie ist keine isolierte Verletzung der Haut. Und ja, es ist auch eine Kampfansage, weil unser Fachgebiet noch zu oft belächelt wird. Manche Ärzte nehmen an, dass die Pflegekraft lediglich ein Pflaster aufklebt. Wundmanagement ist aber ein eigener Kompetenzbereich innerhalb der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege, mit eigener Zusatzausbildung und eigener Verantwortung.
Gewinner.de: Sie haben Ihren sicheren Job gekündigt, um genau das aufzubauen. Woher kam der Mut?
Alexandra Lafer: Der Mut entstand eigentlich aus der Unzufriedenheit. Ich habe fünf Jahre in einer dermatologischen Ordination in Graz gearbeitet, viel im ambulanten OP, und ich habe gesehen, wie Patienten mit hartnäckigen Wunden wieder heimgeschickt wurden, weil die Zeit fehlte. Zeit ist in der Wundpflege aber der wichtigste Faktor. Nebenbei habe ich freiberuflich begonnen, Verbandwechsel privat durchzuführen, und irgendwann musste ich Anfragen absagen, weil ich in der Ordination Dienst hatte. Da war klar: Entweder ganz oder nicht. 2023 bin ich vollständig in die Selbstständigkeit gegangen, 2024 kam der Abschluss als zertifizierte Wundmanagerin. Mein Partner hat mir zugetraut, dass ich das schaffe, in meinem Tempo. Das war viel wert.
Gewinner.de: Heute sind Sie zu dritt, mit zwei Ordinationen. Wann war für Sie klar, dass aus dem „Ich“ ein „Wir“ werden soll?
Alexandra Lafer: Als mir aufgefallen ist, dass ich selbst zum Engpass werde. Wenn ich krank bin oder Urlaub brauche, darf die Versorgung eines Menschen mit einer offenen Wunde nicht stehen bleiben. Verlässlichkeit ist für mich kein Werbeversprechen, sondern die Grundlage. Wenn ich sage, ich komme, dann komme ich, und zwar in einem vereinbarten Zeitfenster, damit niemand einen halben Tag lang im Wohnzimmer wartet. Dass wir heute in Graz und Gleisdorf ordinieren und mobil in Graz, Gleisdorf und Leibnitz unterwegs sind, war deshalb kein Wachstum um des Wachstums willen. Es war die einzige Möglichkeit, die eigene Qualität nicht zu verlieren. Weiz kommt nach Absprache dazu.
Gewinner.de: Was unterscheidet spezialisierte Wundversorgung von dem, was Betroffene sonst oft erleben?
Alexandra Lafer: Die Kontinuität und das Konzept. Viele Menschen pendeln zwischen Hausarzt und Ambulanz, und bei jedem Termin sitzt eine andere Person vor der Wunde. Niemand weiß, wie sie in der Woche davor ausgesehen hat, jeder behandelt anders, und am Ende fehlt eine einheitliche Linie. Bei uns stehen am Anfang die Anamnese und die Erstbegutachtung, dann folgt die Frage nach der Ursache: Steckt eine Venenerkrankung dahinter, Diabetes, ein Druckproblem oder eine Mangelversorgung? Erst danach entscheidet sich, welcher Verband sinnvoll ist und ob technische Unterstützung sinnvoll ist. Wir arbeiten unter anderem mit Kaltplasma, Low-Level-Laser, Hämolaser, ambulanter VAC-Therapie und mit Entlastungstechnik beim diabetischen Fußsyndrom. Technik spielt aber nie die Hauptrolle, sie ist ein Werkzeug in einem Gesamtkonzept. Wichtig ist uns auch die richtige Ausbildung und Spezialisierung. Ich verfüge über das TÜV-Zertifikat ZWM-ZertifierterWundManager®/in, was mich von anderen regulären Krankenschwestern abhebt.
Gewinner.de: Gibt es einen konkreten Fall, an dem Sie gemerkt haben, dass sich dieser Aufwand auszahlt?
Alexandra Lafer: Ja, einer bleibt mir besonders in Erinnerung. Ein Patient kam nach einem Krankenhausaufenthalt und einer vierwöchigen Antibiose zu uns, es ging um den Vorfuß, im schlimmsten Fall um eine Amputation, mindestens um den Strahl der kleinen Zehe. Vier Wochen lang hat er regelmäßig Verbandwechsel bekommen, kombiniert mit Laser, Kaltplasma und VAC-Therapie. Beim Termin im Krankenhaus, bei dem eigentlich der Amputationszeitpunkt festgelegt werden sollte, war die Wundheilung so weit fortgeschritten, dass der Eingriff nicht mehr notwendig war. Solche Verläufe sind keine Garantie, das sage ich ganz deutlich. Aber sie zeigen, was möglich ist, wenn Fachwissen, Technik und die Mitarbeit des Patienten zusammenkommen.
Gewinner.de: Sie sprechen viel von Schulung der Betroffenen. Warum bringen Sie Patienten und Angehörigen bei, was eigentlich Ihre Arbeit ist?
Alexandra Lafer: Weil Abhängigkeit kein Ziel ist. Viele Menschen kommen aus dem Krankenhaus nach Hause und wissen nicht, wie sie den Verband anlegen sollen, welche Warnzeichen ernst zu nehmen sind oder dass die Verbandstoffe über die Krankenkasse bestellt werden können. Manche kaufen teure Produkte selbst, obwohl das gar nicht notwendig wäre. Wenn Angehörige einen Teil der Wundversorgung übernehmen, dann schulen wir sie genau auf die Ursache hin und kontrollieren dies bei laufenden Wundvisiten. Mein Anspruch ist, dass die Betroffenen zu Experten für ihren eigenen Körper werden. Als Krankenschwester bin ich dabei fast auch ein bisschen Lehrerin, das war übrigens mein Kindheitstraumberuf.
Gewinner.de: Fachlich wurden Sie zuletzt auch ausgezeichnet. Was bedeutet Erfolg für Sie persönlich?
Alexandra Lafer: Der erste Platz beim AWA-Abstract der Austrian Wound Association hat mich sehr gefreut, weil Anerkennung aus dem eigenen Fach schwerer wiegt als jedes Lob von außen. Erfolg heißt für mich aber nicht Urkunde, sondern dass jemand nach Monaten wieder Schuhe anziehen kann oder ohne Schmerzen schläft. Es gibt Wunden, die nie mehr verheilen. Dann ist das Ziel Lebensqualität: ein Verband, der im Alltag hält, weniger Geruch, weniger Schmerz, mehr Bewegungsfreiheit. Gute Anbieter erkennt man übrigens daran, wie klar der Schwerpunkt gesetzt ist: Wer alles gleichzeitig anbietet, von Körperpflege bis Entlastungspflege, hat Wundmanagement oft nur als Nebenleistung. Nach Zusatzqualifikation und Erfahrung sollte man daher unbedingt fragen.
Gewinner.de: Und wo soll das Wundmanagement in einigen Jahren stehen?
Alexandra Lafer: Mitten in der Gesundheitsversorgung, nicht am Rand. Ich wünsche mir, dass Menschen ab 50 mit Diabetes oder Venenerkrankungen bei einer Verletzung am Bein selbstverständlich zum Wundmanagement gehen und dass sich Betroffene sogar vor Operationen beraten lassen, um vorbereitet zu sein. Genauso wichtig ist die Zusammenarbeit mit Ärzten und Krankenhäusern, denn niemand gewinnt etwas, wenn parallel gearbeitet wird. Und langfristig sollte diese Leistung stärker von der Krankenkasse getragen werden. Wenn ich mit den Wundprofis dazu einen kleinen Teil beitrage, bin ich zufrieden.
Gewinner.de: Vielen Dank für das offene Gespräch.
Wer Fragen zu einer schlecht heilenden Wunde hat oder einen Termin in Graz oder Gleisdorf vereinbaren möchte, findet alle Informationen zu den Wundprofis unter www.verbandwechsel.at.
Impressum:
Alexandra Lafer
Selbständige Krankenschwester
Flöcking 30, 8200 Gleisdorf
Ordination: Kalvariengürtel 67, 8020 Graz
Tel.: 031667343443
E-Mail: alexandra.lafer@verbandwechsel.at
Website: www.verbandwechsel.at
Website: praxisentero.at/praxis/wundpflege-und-verbandwechsel/