Die kanadische Lyrikerin Anne Carson wird mit dem Nobelpreis für Literatur 2026 geehrt. Die Schwedische Akademie würdigt damit ein Werk, das die Antike und die Gegenwart auf ungewöhnliche Weise miteinander verbindet. Die Auszeichnung ist mit 12 Millionen Schwedischen Kronen verbunden.
Für Carson ist die Auszeichnung die Anerkennung eines Lebenswerks, das sich über Jahrzehnte zwischen Wissenschaft und Dichtung bewegt hat. Wie die Schwedische Akademie mitteilt, schätzt die Jury an ihrem Werk vor allem, dass es neue literarische Formen im Dialog mit der Klassik schafft.
Wofür Anne Carson mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird
Die Akademie bezeichnet Carsons Werk als kühn und erfindungsreich. Es verbinde althergebrachte Stoffe mit zeitgenössischer Form und habe so eigene literarische Gattungen hervorgebracht. Damit zählt die heute 76-Jährige zu den Autorinnen, die akademische Tiefe und literarische Experimentierfreude zugleich verkörpern.
Wie führte der Weg einer Altphilologin zum höchsten Literaturpreis?
- Sie studierte Klassische Philologie und habilitierte sich im Fach.
- Sie übersetzte erhaltene Fragmente der griechischen Lyrikerin Sappho ins Englische.
- 1986 erschien ihr Debütbuch „Eros the Bittersweet“.
- Seither veröffentlichte sie mehr als ein Dutzend Bücher.
„Eros the Bittersweet“ mischt Roman, Poesie und altphilologische Abhandlung in einem Band – ein Format, das für Carsons späteres Werk charakteristisch bleiben sollte.
Welche Entscheidung prägte ihr literarisches Werk?
Statt sich für eine Gattung zu entscheiden, verband Carson wissenschaftliche Genauigkeit mit literarischer Freiheit. In ihrem bekanntesten Werk, dem Versroman „Rot“, flicht sie eine antike griechische Sage mit einer in der Gegenwart angesiedelten Liebesbeziehung zusammen. Gerade diese Verbindung aus altphilologischem Fachwissen und moderner Erzählform gilt als Kern ihres literarischen Ansatzes und dürfte auch die Jury überzeugt haben.
Die Nachricht von der Auszeichnung erreichte Carson in Island, wo sie den Anruf aus Stockholm entgegennahm. Vor ihr erhielten mit László Krasznahorkai aus Ungarn 2025, Elfriede Jelinek aus Österreich 2004 und Peter Handke aus Österreich 2019 Autorinnen und Autoren mit ähnlich eigenwilligem Werk den Literaturnobelpreis.
Wie geht es für Anne Carson weiter?
Die offizielle Preisverleihung findet am 10. Dezember im Konzerthaus von Stockholm statt, dem Todestag von Alfred Nobel. Dort wird Carson das Preisgeld von rund 1,06 Millionen Euro entgegennehmen – als Anerkennung eines Werks, das zeigt, wie fruchtbar die Beschäftigung mit der Antike auch im 21. Jahrhundert sein kann.