Die kanadische Schriftstellerin Anne Carson erhält den Literaturnobelpreis 2026. Die Schwedische Akademie würdigt damit ihr kühnes und einfallsreiches Gesamtwerk, das klassische Traditionen mit neuen literarischen Formen verbindet. Carson ist 76 Jahre alt.
Werk ohne Grenzen
Mit dem Nobelpreis für Anne Carson rückt ein Werk ins Rampenlicht, das sich keiner festen Form unterordnet. Carson verbindet in ihren Büchern Philologie, Lyrik, Essay, Übersetzung, Erzählung und Drama zu einer eigenen Gattung. Mit der Auszeichnung ist eine Dotierung von zwölf Millionen Schwedischen Kronen verbunden, was etwa 1,06 Millionen Euro entspricht. Die Verleihung findet am 10. Dezember 2026 in Stockholm statt.
Akademische Wurzeln
Geboren wurde Carson 1950 in Toronto. Bevor sie als Autorin bekannt wurde, baute sie sich eine wissenschaftliche Laufbahn auf: An verschiedenen Hochschulen in Kanada und den USA hatte sie Professuren für Klassische Philologie inne. Diese doppelte Rolle als Forscherin und Dichterin prägt bis heute ihren Blick auf antike Stoffe.
Mut zur Mischung
Die Entscheidung, die Carsons Werk trägt, ist der bewusste Bruch mit Gattungsgrenzen. Statt sich auf Lyrik oder Prosa festzulegen, mischt sie philologische Genauigkeit mit erzählerischer Freiheit und dramatischer Form. Genau dafür lobt die Schwedische Akademie ihr mutiges und erfindungsreiches Werk, das einen eigenen Dialog mit der Antike führt.
Neue Wege im Alten
Wie dieses Prinzip in der Praxis aussieht, zeigen zwei ihrer bekanntesten Bücher. 1998 erschien „Autobiography of Red“, eine Neuerzählung des griechischen Mythos von Geryon in Versform. 2010 folgte das experimentelle Werk „Nox“, das sich mit Leben und Tod ihres Bruders auseinandersetzt und dabei Fragmente, Fotografien und Übersetzungen zu einem Buchobjekt verwebt.
Für „The Beauty of the Husband“ erhielt Carson 2001 als erste Frau den T. S. Eliot Prize; zuvor war ihr bereits eine Guggenheim Fellowship und eine MacArthur Fellowship zugesprochen worden.
Verleihung in Stockholm
Mit Carson geht der Literaturnobelpreis zum zweiten Mal an eine Kanadierin, nachdem Alice Munro den Preis 2013 erhalten hatte. Insgesamt gingen damit bislang 29 Nobelpreise in verschiedenen Kategorien an Kanada. Die Schwedische Akademie erreichte Carson zur Verkündung der Nachricht in Island, wo sie sich zum Zeitpunkt des Anrufs aufhielt.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.