Der Berufseinstieg ist für viele junge Fachkräfte in Deutschland zu einer echten Hürde geworden. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gab es im zweiten Quartal 2026 noch rund eine Million offene Stellen im Land, doch ausgerechnet Positionen für Berufsanfänger fehlen zunehmend.
Laut Auswertungen von Indeed lag das Angebot an Einstiegsjobs im Juli 2026 um 46 % unter dem Durchschnitt des Jahres 2019, während der gesamte Stellenmarkt trotz Schwäche noch acht Prozent über diesem Niveau lag. Im Juli 2022 hatten Einstiegsjobs zeitweise noch 75 % über dem Vergleichswert von 2019 gelegen – seitdem ist das Angebot um mehr als zwei Drittel eingebrochen, während der Gesamtmarkt im selben Zeitraum nur um rund 38 % schrumpfte.
Warum wird der Berufseinstieg gerade so schwer?
Der Einbruch begann demnach bereits im Frühjahr beziehungsweise Sommer 2022 und damit vor der Veröffentlichung von ChatGPT im Dezember desselben Jahres. Besonders hart trifft es Felder, in denen Künstliche Intelligenz zahlreiche Tätigkeiten übernehmen oder erleichtern kann: In Branchen mit starker KI-Durchdringung fiel das Angebot an Einstiegs-, Praktikums- und Werkstudentenstellen im Juli 2026 auf etwa die Hälfte des Niveaus von 2019.
Besonders deutlich zeigt sich das bei IT-Anwendungen und -Lösungen, wo das Einstiegsangebot seit dem Höchststand 2022 um 77 % gesunken ist. Im Marketing beträgt der Rückgang 75 %, im Projektmanagement sind es sechs von zehn Stellen. Von 28 untersuchten Berufsgruppen verzeichneten 26 rückläufige Einstiegsangebote, in 23 Bereichen fiel der Rückgang stärker aus als am Gesamtmarkt.
Gleichzeitig berichten laut einer Erhebung 74 % der Beschäftigten, dass es schwieriger geworden ist, überhaupt zu Vorstellungsgesprächen eingeladen zu werden. Unternehmen wiederum geben zu 46 % an, dass Recruiting schwieriger geworden ist als im Vorjahr; für annähernd jede zweite Firma ist die Suche nach Kandidaten mit passenden Kompetenzen die größte Hürde im Einstellungsprozess.
Welche Branchen bieten trotzdem Chancen?
Nicht überall sieht es düster aus. Lediglich in zwei der 28 untersuchten Berufsgruppen legte das Angebot an Einstiegsjobs seit 2022 zu: In Pflege, Medizin und Pharmazie um 18 %, in Lebensmittel, Gastronomie und Hotellerie um zehn Prozent. Auch im Handwerk, Gesundheitswesen, in der Logistik und am Bau gibt es laut einer Auswertung besonders viele Stellenanzeigen.
- Die Nachfrage nach LKW-Fahrern im Nahverkehr liegt rund 40 % über dem Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2025.
- Heilerziehungspfleger werden rund 36 % stärker nachgefragt als im langfristigen Durchschnitt.
- Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik liegen mit gut einem Drittel ebenfalls deutlich über dem langfristigen Schnitt.
- Die Bundesagentur für Arbeit zählt trotz schwacher Konjunktur 157 Berufsgattungen mit Fachkräfteengpässen.
Recruiter bewerten laut einer Befragung von Personalverantwortlichen Medizin als zukunftssicherstes Studienfach, gefolgt von Elektrotechnik und Sozialer Arbeit. Geisteswissenschaften wie Geschichte, Anglistik oder Germanistik gelten demnach als am wenigsten zukunftssicher. Als Kriterium nennen 58 % der befragten Personalverantwortlichen, ob sich ein Beruf schwer automatisieren lässt.
Was hilft jungen Fachkräften beim Einstieg?
Für Arbeitnehmer insgesamt ist Jobsicherheit mittlerweile wichtiger als beruflicher Aufstieg: 77 % stufen sie höher ein. Bei der Jobwahl zählt ein sicherer Arbeitsplatz für 32 % der Beschäftigten zu den wichtigen Kriterien, ein Plus von vier Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr; das Gehalt bleibt für knapp drei von fünf Beschäftigten jedoch der häufiger genannte Sicherheitsfaktor.
Für junge Fachkräfte zahlt sich laut einer Befragung von Young Professionals vor allem praktische Erfahrung aus: 42 % geben an, dass ihnen Praktika oder eine Tätigkeit als Werkstudent beim Berufseinstieg geholfen haben.
Zugleich hat das Statistische Bundesamt errechnet, dass bis zum Jahr 2040 etwa 13,3 Millionen der heute Erwerbstätigen das gesetzliche Rentenalter erreicht haben dürften, was einem Anteil von rund 30 % des aktuell verfügbaren Erwerbspersonenpotenzials entspricht. Bereits 2024 war knapp ein Viertel der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren zwischen 55 und 64 Jahre alt.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.