Wer heute ins Berufsleben startet, trifft auf einen veränderten Arbeitsmarkt: Laut dem Jobportal Stepstone finden Berufseinsteiger in Deutschland derzeit 45 % weniger offene Stellen als noch vor fünf Jahren. Der Rückgang liegt damit unter dem Niveau vom Frühjahr 2020, dem Beginn der Corona-Pandemie.
Weniger Einstiegsjobs
Besonders betroffen sind Tätigkeiten, die früher als klassische Lernfelder für Berufseinsteiger galten. In Großbritannien gingen Einstiegspositionen laut Adzuna seit Ende 2022 um 32 % zurück.
Nach einer Analyse zur Entwicklung von Nachwuchskräften übernimmt Künstliche Intelligenz zunehmend Aufgaben wie Datensammlung, Standardrecherchen, Routineanalysen sowie erste Entwürfe für Texte und Präsentationen (Stand 2025). Genau diese Aufgaben waren bislang der Ort, an dem Berufseinsteiger praktische Erfahrung sammelten, bevor sie später Verantwortung übernahmen.
KI übernimmt Lernfeld
Fällt dieses Lernfeld weg, fehlt Nachwuchskräften laut derselben Analyse die praktische Grundlage, um später in Führungsrollen hineinzuwachsen. Unternehmen müssen Senior-Positionen dann teurer von außen besetzen, was zudem häufig zu schlechterer kultureller Passung führt. Die Automatisierung von Junior-Aufgaben schreitet demnach schneller voran, als Unternehmen neue Modelle zur Nachwuchsentwicklung aufbauen.
Junge verlieren, Ältere gewinnen
Beschäftigte über 25 Jahren in denselben Berufen behielten ihre Positionen dagegen oder bauten sie sogar aus.
Beim schwedischen Fintech-Unternehmen Klarna beantwortet ein KI-Assistent inzwischen zwei Drittel aller Kundenanfragen. Laut Indeed ist die Zahl der Einstiegspositionen im Technologiesektor um mehr als die Hälfte gesunken, während Senior-Stellen und Jobs mit KI-Bezug deutlich an Bedeutung gewinnen.
Neue Rollen entstehen
Gleichzeitig wächst ein neuer Arbeitsmarkt rund um Künstliche Intelligenz. Nach Angaben des Personalanalyse-Anbieters SkyHive by Cornerstone ist der weltweite Bedarf an KI- und Machine-Learning-Experten seit 2019 um 65 % gestiegen, die Nachfrage nach Generative-AI-Spezialisten sogar um mehr als das Vierfache.
Deutschland belegt demnach weltweit den zweiten Platz bei KI- und Machine-Learning-Stellenangeboten, Berlin entwickelt sich zu einem Hotspot für KI-Arbeitsplätze.
Die Unternehmensberatung Vention schätzt, dass weltweit bis 2027 etwa 69 Millionen Arbeitsplätze durch Künstliche Intelligenz entstehen. 2024 stieg die Zahl der KI-Ingenieure weltweit auf 1,2 Millionen, auch im Gesundheitswesen rechnen Prognosen mit einem Anstieg KI-gesteuerter Stellen um 45 %.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.