Volkswagen hat zehn von dreizehn Tarifverträgen gekündigt, darunter den Manteltarifvertrag, der mehr als 100.000 Beschäftigte betrifft. Der Konzern begründet den Schritt mit dem Preisdruck chinesischer Autohersteller in Europa. Mitten in diesem Konflikt um die VW-Tarifverträge zeigt Betriebsratschefin Daniela Cavallo eine Haltung, die zwischen Kompromissbereitschaft und klarer Kante schwankt.
Wofür Daniela Cavallo steht
Cavallo tritt als Stimme der Belegschaft auf, wenn es um die Zukunft der VW-Standorte geht. Ihr wichtigstes Ergebnis bislang: Die Beschäftigungssicherung bis 2030 bleibt nach ihren Worten unangetastet, auch wenn Volkswagen zehn VW-Tarifverträge gekündigt hat. Das gilt als tragendes Versprechen, an dem sie die Verhandlungen misst.
Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass die Belegschaft bereits seit 2025 jährlich rund 1,5 Milliarden Euro zur Zukunftsfestigkeit der Standorte beiträgt. Dieser Verzicht ist für sie der Maßstab, an dem sich weitere Forderungen des Konzerns messen lassen müssen.
Der Weg zur Betriebsratschefin
Über Cavallos persönlichen Werdegang vor ihrer Funktion als Betriebsratschefin geben die vorliegenden Quellen keine Auskunft. Belegt ist nur ihre heutige Rolle: Sie verhandelt für die Belegschaft, während Volkswagen tarifliche Zulagen, Arbeitszeitregelungen und Schutzregelungen für ältere und gesundheitlich eingeschränkte Beschäftigte zur Neuverhandlung stellt.
Die prägende Entscheidung im Tarifstreit
Die Kündigung der zehn VW-Tarifverträge stellt aus Cavallos Sicht die Zusagen infrage, die der Konzern im Tarifabschluss 2024 selbst gegeben hat. Volkswagen fordert nun zusätzliche Beiträge der Beschäftigten, während die IG Metall parallel fünf Prozent mehr Lohn fordert.
Cavallo reagiert darauf, indem sie öffentlich klarstellt, wo für sie die rote Linie verläuft: bei der Beschäftigungssicherung. Alles andere, von Zuschlägen bis zu freien Tagen, sieht sie als verhandelbar, aber nicht widerspruchslos hinnehmbar.
- Zehn von dreizehn Tarifverträgen gekündigt, darunter der Manteltarifvertrag
- Mehr als 100.000 Beschäftigte betroffen
- Rund 1,5 Milliarden Euro jährlicher Verzicht der Belegschaft seit 2025
- Beschäftigungssicherung bis 2030 laut Cavallo weiterhin zugesagt
- Erste spürbare Folgen für Einkommen ab Januar 2027 möglich
Das Mindset im Alltag der Verhandlungen
Cavallo rechnet selbst mit einer heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel. Statt sich dieser Konfrontation zu entziehen, benennt sie sie offen – ein Zug, der auf ein Mindset schließen lässt, das Konflikte nicht meidet, sondern als Teil des Verhandlungsprozesses akzeptiert.
Diese Haltung deckt sich mit der Einschätzung von Fachleuten: Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer argumentiert, dass Volkswagen auf Sympathie bei Beschäftigten und Öffentlichkeit angewiesen ist und seine Zukunft nicht über Konfrontation mit der Belegschaft sichern kann. Cavallo scheint diese Linie zu teilen, indem sie auf Dialog statt auf offenen Bruch setzt.
Auch die China-Angst des Konzerns, also die Furcht vor dem Preisdruck chinesischer Hersteller, nimmt sie ernst, ohne sie als Rechtfertigung für einseitige Lasten der Beschäftigten gelten zu lassen. Diese Abwägung zwischen Verständnis für die wirtschaftliche Lage und Schutz der Belegschaft prägt ihren Verhandlungsstil.
Was als Nächstes ansteht
Die Lohnverhandlungen sollen ab dem 1. Januar 2027 gelten, erste Folgen für die Einkommen könnten Beschäftigte ab diesem Zeitpunkt spüren. Volkswagen plant zudem, bis Jahresmitte 2027 einen schlankeren Konzern aufzubauen oder zumindest ein Konzept dafür vorzulegen.
Cavallo kündigt an, die Auseinandersetzung um die VW-Tarifverträge weiter offensiv zu führen, während sie an der zugesagten Beschäftigungssicherung bis 2030 festhält. Wie belastbar dieses Versprechen am Ende bleibt, dürfte sich in den kommenden Verhandlungsrunden zeigen.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.