Der deutsche Mittelstand zeigt ein zwiespältiges Bild: Die Ertragslage hat sich laut KfW Bankengruppe deutlich erholt, während die Investitionsbereitschaft spürbar nachlässt. Diese Gegenläufigkeit prägt die aktuelle Lage der mittelständischen Unternehmen in Deutschland.
Die Ertragslage erreicht wieder Vorkrisenniveau
Die KfW Bankengruppe beziffert die durchschnittliche Umsatzrendite vor Steuern für das vergangene Geschäftsjahr auf 7,5 % – exakt der Wert aus dem Jahr 2019. Die aggregierten nominalen Gesamtumsätze der mittelständischen Betriebe stiegen laut KfW um 1,6 % auf insgesamt 5.261 Milliarden Euro. Preisbereinigt gingen die Umsätze jedoch um 1,5 % zurück, was laut KfW bereits das dritte Schrumpfungsjahr in Folge markiert.
Deutlich positiver entwickelte sich der Online-Handel: Die E-Commerce-Umsätze im Mittelstand wuchsen laut KfW um 13 % auf ein Gesamtvolumen von 344 Milliarden Euro. Dieser Kanal gewinnt damit spürbar an Bedeutung für die Betriebe.
Die Eigenkapitalquote bleibt bei 30,7 Prozent stabil
Die finanzielle Basis der Unternehmen zeigt sich laut KfW robust: Die durchschnittliche Eigenkapitalquote blieb bei 30,7 % unverändert. Bei mittleren Unternehmen stieg die Eigenkapitalausstattung sogar auf einen Höchstwert von 36,3 %.
Laut KfW schrumpfte der Anteil der Betriebe mit besonders dünner Kapitaldecke – einer Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent – auf 23,9 %. Nur noch 4 % der Unternehmen wiesen negatives Eigenkapital auf. Diese Struktur gibt vielen Betrieben Spielraum, auch wenn sie ihn derzeit kaum nutzen.
Nur 40 Prozent der Betriebe investieren noch
Die Zurückhaltung zeigt sich besonders bei den Investitionen: Laut KfW führten lediglich 40 % der mittelständischen Betriebe überhaupt Investitionsvorhaben durch. Die Neuinvestitionen in Anlagen und Bauten sanken nominal um 1,4 % auf 218 Milliarden Euro, preisbereinigt fiel der Rückgang mit 3,7 % deutlich stärker aus.
Das durchschnittliche Investitionsvolumen je investierender Firma sank laut KfW spürbar auf 187.000 Euro. Das Gesamtinvestitionsvolumen einschließlich gebrauchter Güter lag bei 261 Milliarden Euro. Beim Beschäftigungswachstum kam die Entwicklung laut KfW vollständig zum Stillstand, bei weiterhin 33,4 Millionen Erwerbsverhältnissen im deutschen Mittelstand.
Künstliche Intelligenz wird zum neuen Treiber
Abseits der zurückhaltenden klassischen Investitionen entwickelt sich ein anderer Bereich spürbar dynamischer: Im ersten Halbjahr 2026 entstanden 3.053 neue Startups – ein Plus von 52 % gegenüber der zweiten Jahreshälfte 2025. Über 1.000 dieser Neugründungen, also mehr als ein Drittel, hatten einen klaren KI-Bezug.
Auf LinkedIn verfügen inzwischen rund 18 % der erfassten deutschen Gründer über KI-Kompetenzen, 2024 waren es nach Angaben von LinkedIn nur 10 %. Bei der relativen KI-Talentdichte führt Deutschland laut LinkedIn den Vergleich unter den untersuchten Märkten an. Eine Auswertung der KfW zufolge setzten zudem bereits knapp 780.000 Unternehmen künstliche Intelligenz ein.