Die EV Group aus St. Florian am Inn hat den Staatspreis Innovation 2026 gewonnen. Ausgezeichnet wurde das Halbleiterunternehmen für seine IR LayerRelease-Technologie, mit der sich hauchdünne Siliziumschichten nanometergenau von einem Wafer lösen und auf einen anderen übertragen lassen. Der Preis wird damit zum 46. Mal vergeben.
Im Vorjahr ging die Auszeichnung an Rosendahl Nextrom für eine KI-gestützte Kabelfertigung. Dass nun ein Unternehmen aus der Halbleiterbranche gewinnt, zeigt, wie sehr Mikrochip-Technologie zum Thema für die heimische Innovationslandschaft geworden ist.
Wofür steht die EV Group genau?
Die IR LayerRelease-Technologie arbeitet mit einem Infrarotlaser, für den Silizium durchsichtig ist. Dadurch lässt sich eine Schicht ablösen, ohne das Material thermisch zu belasten. Bisher brauchte man für solche Verfahren zusätzliche Glasträger – diese Notwendigkeit entfällt nun.
Laut EV Group ermöglicht die Technologie leistungsfähigere und energieeffizientere Mikrochips, etwa für künstliche Intelligenz und High-Performance Computing. Das Verfahren ist besonders für die sogenannte 3D-Integration relevant, bei der mehrere Chip-Schichten gestapelt werden, um auf kleinerem Raum mehr Rechenleistung unterzubringen.
Wie kam es zu diesem Erfolg?
Der Staatspreis ist nicht die erste Anerkennung für das Projekt: Bereits im Jahr 2025 erhielt die EV Group für dieselbe Technologie den oberösterreichischen Landespreis für Innovation. Der Weg von der Landesebene zur bundesweiten Auszeichnung zeigt, dass die Entwicklung nicht von einem Tag auf den anderen entstanden ist, sondern über Jahre verfeinert wurde, bevor sie international konkurrenzfähig war.
Neben der EV Group wurden an demselben Tag auch Sonderpreise der Wirtschaftskammer vergeben. Farm-ING erhielt eine Auszeichnung für ein System, das Unkräuter per Kamerasensorik und künstlicher Intelligenz erkennt und gezielt nur die betroffenen Pflanzen besprüht; nach eigenen Angaben des Unternehmens senkt das den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um bis zu 95 %.
ECOLYTE wurde für die Entwicklung neuartiger Moleküle und papierbasierter Membranen für Redox-Flow-Batterien geehrt, die laut Unternehmen kostengünstig, recycelbar und biologisch abbaubar sein sollen. ECOLYTE hatte bereits 2025 den Innovation Radar Prize der EU-Kommission gewonnen.
Was macht die Technologie im Alltag der Chipproduktion aus?
Für Hersteller bedeutet der Verzicht auf Glasträger einen direkten Vorteil im Produktionsablauf: weniger Material, weniger Zwischenschritte, weniger thermische Risiken für empfindliche Schichten. Das ist der Kern dessen, was die EV Group als unternehmerisches Mindset vorlebt – nicht die große Neuerfindung, sondern die konsequente Beseitigung eines technischen Engpasses, der die gesamte Branche betrifft.
- Der Staatspreis Innovation wurde am 4. November 2026 zum 46. Mal verliehen.
- Die EV Group gewann ihn für die IR LayerRelease-Technologie zur Mikrochip-Skalierung.
- Farm-ING und ECOLYTE erhielten an demselben Tag Sonderpreise der Wirtschaftskammer.
- Die EV Group hatte für dieselbe Technologie bereits 2025 den oberösterreichischen Landespreis gewonnen.
Wie geht es weiter?
Bei der Verleihung betonte Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, Innovation sei eine Lebensversicherung für Österreich. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer argumentierte, der Erfolg des Landes im internationalen Wettbewerb beruhe auf Qualität, Innovation und technologischem Vorsprung.
Beide Einschätzungen ordnen die Auszeichnung der EV Group in eine größere wirtschaftspolitische Erzählung ein, nach der heimische Industrieunternehmen mit Spitzentechnologie international bestehen sollen.
Für die EV Group selbst liegt der nächste Schritt nahe: Die Technologie ist für die wachsende Nachfrage nach gestapelten, energieeffizienten Chips konzipiert – ein Markt, der mit dem Boom rund um künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechner weiter zulegt.