Das Wiener Unternehmen fiskaly weitet sein Geschäft auf Tschechien aus. Ab dem 1. Januar 2027 wird dort die elektronische Umsatzerfassung EET 2.0 für Handel, Gastronomie und Dienstleister verpflichtend, und fiskaly bringt dafür eine eigene Softwarelösung namens Sign CZ auf den Markt.
Mit dem Schritt wird fiskaly auf neun europäischen Märkten aktiv. Das Unternehmen entwickelt cloudbasierte Software und Programmierschnittstellen, mit denen Kassentransaktionen rechtskonform erfasst und verifiziert werden. Die tschechische Regierung begründet die Wiedereinführung der Kassenpflicht mit dem Ziel, Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft einzudämmen und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
Wofür steht fiskaly heute?
Nach eigenen Angaben bedient fiskaly inzwischen rund 2.000 B2B-Kunden in Europa, die Infrastruktur des Unternehmens läuft in mehr als einer Million Kassensystemen. Für den deutschen Markt beansprucht fiskaly eine führende Position. Im Jahr 2026 erhielt das Unternehmen den EY Scaleup Award.
Diese Größenordnung bildet die Basis für den Schritt nach Tschechien. Schon zuvor war fiskaly in Deutschland, Italien, Schweden, Spanien, Portugal, Frankreich, Belgien und Österreich tätig, bevor Tschechien als neunter Markt hinzukam.
Wie kam fiskaly auf den tschechischen Markt?
Der Weg dorthin führte über mehrere Schritte im Ausland: 2023 trat fiskaly in Spanien in den Markt ein, im Dezember 2025 übernahm das Unternehmen den schwedischen Anbieter InfraSec. Die Expansion nach Tschechien reiht sich in diese Folge von Marktschritten ein und fällt zeitlich mit der gesetzlichen Neuregelung EET 2.0 zusammen.
Die ursprüngliche tschechische Kassenpflicht EET war während der Corona-Pandemie ausgesetzt und Anfang 2023 ganz abgeschafft worden. Mit der Neuauflage ab 2027 entsteht für fiskaly ein neuer, regulatorisch getriebener Bedarf im Land.
Was bedeutet die neue Kassenpflicht für Betriebe?
EET 2.0 erfasst künftig grundsätzlich Zahlungen vor Ort, unabhängig davon, ob bar, per Karte oder per QR-Code bezahlt wird. Reine Online-Zahlungen sind davon ausgenommen. Gedruckte Kassenbelege müssen nicht mehr ausgestellt werden, Transaktionen werden stattdessen digital erfasst.
Für kleinere Betriebe mit maximal zwei Erfassungseinheiten bietet die tschechische Finanzverwaltung ab Dezember 2026 die kostenlose Webanwendung Moje eet an. Größere Unternehmen sollen die Vorgaben stattdessen über Lösungen wie Sign CZ in ihre bestehenden Kassensysteme einbinden.
- Sign CZ ist eine API-basierte Lösung und benötigt keine zusätzliche Hardware.
- Die Integration und Tests der Software haben bereits begonnen, noch vor dem gesetzlichen Stichtag.
- Betroffen sind vor allem Einzelhandel, Gastgewerbe und Dienstleistungsbetriebe.
- Das tschechische Finanzministerium rechnet durch die Neuregelung mit zusätzlichen Staatseinnahmen von umgerechnet rund 560 Millionen Euro jährlich.
Diese Mehreinnahmen sollen vor allem aus einer besseren Erfassung steuerpflichtiger Umsätze und aus der Bekämpfung von Schwarzarbeit stammen, wie das tschechische Finanzministerium mitteilt. Für fiskaly bedeutet die neue Pflicht einen klar terminierten Markt: Betriebe müssen bis zum Stichtag umgestellt haben, was den Zeitdruck für Anbieter wie fiskaly und ihre Kunden erhöht.