Diese lange Zusammenarbeit gilt in der Musikwelt als selten: Dirigenten wechseln ihre Posten meist deutlich früher. Für Welser-Möst war die Kontinuität offenbar ein bewusster Weg, kein Zufall.
Wofür Welser-Möst steht
Dass ein Dirigent über zwei Jahrzehnte an der Spitze eines Orchesters bleibt, ist ein belegbares Ergebnis für sich. Es zeigt eine Haltung, die auf langfristigen künstlerischen Aufbau setzt statt auf schnelle Stationen. Mit dem Cleveland Orchestra bringt Welser-Möst dieses Prinzip nun auch nach Linz, wo er mit dem Ensemble beim Brucknerfest gastiert.
Das Konzert als Höhepunkt einer langen Partnerschaft
Das Gastspiel findet zum 130. Todestag von Anton Bruckner statt und fügt sich damit bewusst in den historischen Rahmen des Festivals ein. Das Programm beginnt mit Mozarts Symphonie Nr.
Schon diese Werkauswahl zeigt, wie Welser-Möst historische Bezüge mit biografischen Brüchen verbindet – ein Thema, das zu seiner eigenen langen, aber nun endenden Karrierestation passt.
Die prägende Entscheidung: Kontinuität statt schneller Wechsel
Während viele Spitzendirigenten ihre Positionen nach wenigen Jahren wechseln, hat sich Welser-Möst für eine ungewöhnlich lange Bindung an ein einziges Orchester entschieden. Erst 2027 wird er seinen Abschied geben – ein Zeitpunkt, der lange im Voraus feststeht und der Zusammenarbeit zusätzlich Planbarkeit verleiht.
Das Mindset im Alltag: Tradition und Gegenwart zusammenbringen
Wie Welser-Möst künstlerisch denkt, zeigt sich auch im restlichen Programm des Linzer Konzerts. Es enthält nicht nur klassische und spätromantische Werke, sondern auch zeitgenössische Musik.
- Das Werk „Intensity“ von Bernd Richard Deutsch, geboren 1977, wurde 2020 eigens für das Cleveland Orchestra komponiert.
- Den Abschluss bildet Richard Strauss’ „Symphonia domestica“ op. 53, die der Komponist 1902 bis 1903 schrieb.
- Vor dem Konzert gibt es um 14:15 Uhr im Garderobenfoyer eine kostenlose Konzerteinführung.
- Das Konzert endet gegen 17:00 Uhr.
Diese Mischung aus Klassik, Spätromantik und Auftragswerk zeigt ein Muster: Welser-Möst verlässt sich nicht nur auf bewährtes Repertoire, sondern gibt auch neuer Musik Raum – selbst in einem Programm, das historisch verankert ist.
Was als Nächstes kommt
Mit dem bevorstehenden Abschied als Musikdirektor rückt für Welser-Möst eine neue Phase näher. Das Gastspiel in Linz lässt sich als eines der sichtbaren Kapitel auf diesem Weg lesen: eine Begegnung mit dem Orchester, das seine Karriere über 25 Jahre geprägt hat, in einer Stadt, die zugleich an das Werk Anton Bruckners erinnert. Welche weiteren Stationen danach folgen, ist bislang nicht bekannt.