Für Johanna Antonie Tjaden-Schulte zählt bei einer Gründung vor allem eine durchdachte Finanzierung. Allein 2025 entstanden in Deutschland nach Angaben des Deutschen Startup Verbands 3.568 Start-ups, so viele wie nie zuvor.
Die richtige Zeit für Gründer
Tjaden-Schulte verweist darauf, dass bis zum Jahr 2028 nach Schätzungen der KfW rund 560.000 Unternehmensnachfolgen anstehen. Gleichzeitig sieht sie zu wenige neue Unternehmen in Zukunftsfeldern wie Künstlicher Intelligenz, Klima- und Energietechnologien sowie Deep Tech. Für sie ergibt sich daraus ein Zeitfenster, das Gründer nutzen sollten – dies hält sie für den aktuell besten Zeitpunkt, ein Unternehmen zu gründen.
Finanzierung als größte Hürde
Nach ihrer Einschätzung ist die Finanzierung für die meisten Gründer die größte Herausforderung überhaupt. Tjaden-Schulte empfiehlt deshalb einen Mix aus Eigenkapital, Förderkrediten, Business Angels und Venture-Capital-Investitionen. Wer sich nicht auf eine einzelne Quelle verlasse, schaffe sich mehr Spielraum.
Der erste Schritt zur Finanzierung
Als ersten wichtigen Schritt nennt sie Gespräche mit regionalen Gründungs-Hubs, Kammern, Wirtschaftsförderungen und kostenlosen Beratungen bei Förderbanken. Wie das Gründerportal deutschland-startet.de ergänzt, sind Förderdarlehen wie das KfW-StartGeld zu niedrigeren Zinsen erhältlich als reguläre Bankdarlehen und bieten eine tilgungsfreie Anlaufzeit, die individuell vereinbart werden kann – meist beginnend im zweiten oder dritten Jahr. Demnach ist für die Beantragung ein professioneller Businessplan nötig, auf den Förderbanken vor allem wegen der Rentabilitätsvorschau und des Liquiditätsplans Wert legen. Förderdarlehen stehen demnach allen Rechtsformen offen, von Freiberuflern bis zur Kapitalgesellschaft. Nach Einreichung des Plans bei der Hausbank vergehen demnach rund zwei Wochen bis zur Prüfung, danach weitere sechs bis acht Wochen, bis die Mittel auf dem Konto sind – insgesamt sollten Gründer also etwa drei Monate vor dem geplanten Mitteleinsatz mit der Beantragung beginnen.
Zeit und Rechtsform richtig planen
Wer sich für eine Kapitalgesellschaft entscheidet, braucht mehr Zeit als bei einer Personengesellschaft: Die Gründung dauert länger, und das Unternehmen muss einen Jahresabschluss veröffentlichen. Eine GmbH muss diesen spätestens zwölf Monate nach Ende des Geschäftsjahres im Unternehmensregister einreichen, die Erstellung und Testierung durch einen Steuerberater kostet dabei einen vierstelligen Betrag. Deshalb gilt eine GmbH-Gründung kurz vor Jahresende als ungünstig: Ein erstes Quartal des Folgejahres spart demnach Kosten für einen wenig aussagekräftigen Abschluss. Freiberufliche Selbständigkeit dagegen lässt sich jederzeit beginnen, unabhängig vom Kalenderjahr.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.