Der M&A-Markt in Deutschland verzeichnet in den ersten neun Monaten 2026 einen kumulierten Transaktionswert von rund 208,5 Milliarden Euro, einschließlich der geplanten Übernahme von Evonik. Ohne diesen noch nicht abgeschlossenen Deal liegt der Wert laut der Analyse von weigelCF bei etwa 194,3 Milliarden Euro. Damit zeichnet sich für Fusionen und Übernahmen mit deutscher Beteiligung eines der stärksten Jahre der jüngeren Vergangenheit ab.
Zur Einordnung: Im gesamten Jahr 2025 kam der deutsche M&A-Markt auf rund 108 Milliarden Euro aus 89 Transaktionen mit veröffentlichtem Wert, wie weigelCF ermittelt hat. Schon nach drei Quartalen 2026 liegt der Wert damit fast doppelt so hoch wie im kompletten Vorjahr.
Wie groß ist der Rekord wirklich?
Laut weigelCF zählte man bis zum Ende des dritten Quartals 2026 insgesamt 43 Transaktionen ab einer Milliarde Euro, deren Summe sich auf etwa 194 Milliarden Euro beläuft. Allein 22 Deals ab zwei Milliarden Euro tragen davon rund 166 Milliarden Euro bei, während 21 Transaktionen zwischen einer und unter zwei Milliarden Euro auf etwa 28 Milliarden Euro kommen.
Unter Einbeziehung geschätzter kleinerer Transaktionen ergibt sich laut weigelCF ein Gesamtwert von 215 bis 220 Milliarden Euro für die ersten neun Monate. Für das Gesamtjahr 2026 hält weigelCF einen Transaktionswert von mindestens 250 bis 260 Milliarden Euro für erreichbar.
Allein das dritte Quartal 2026 steuerte rund 49,4 Milliarden Euro bei. Auf die acht umsatzstärksten Deals des bisherigen Jahres entfiel zusammen ein Volumen von etwa 107 Milliarden Euro, womit sie mehr als die Hälfte der gesamten erfassten Summe ausmachten.
Welche Deals treiben den Markt?
Hinter den Zahlen stehen mehrere Großtransaktionen, die den deutschen Markt 2026 prägen. Dazu zählen Finanzinvestitionen, Übernahmen durch Private Equity und grenzüberschreitende Deals mit internationaler Beteiligung.
- Beim Übernahmeangebot für die Commerzbank reichten Aktionäre der UniCredit nach Angaben von weigelCF Anteile im Umfang von 17,66 % ein, was einem Wert von rund 6,8 Milliarden Euro entspricht.
- Volkswagen verkaufte eine Mehrheit an Everllence an Bain Capital für rund 7,4 Milliarden Euro.
- Merck gab bekannt, Bio-Techne in den USA für umgerechnet 11,3 Milliarden US-Dollar in bar zu übernehmen.
- Für rund 8 Milliarden Euro sicherte sich die KfW einen 40-prozentigen Anteil an KNDS.
Sieben Käufe durch US-amerikanische Private-Equity-Investoren hatten laut weigelCF einen Gesamtwert von rund 20,6 Milliarden Euro, während 14 Verkäufe durch Private-Equity-Häuser unter den Milliarden-Deals zusammen auf rund 63 Milliarden Euro kamen. Das zeigt, wie stark Finanzinvestoren den deutschen Markt derzeit mitgestalten.
Wie passt das ins globale Bild?
Der weltweite M&A-Wert für die ersten drei Quartale 2026 wird auf 4,44 Billionen US-Dollar beziffert, ein Plus von 27 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für Europa wird im gleichen Zeitraum ein Wert von 1,15 Billionen US-Dollar mit einem Anstieg von 26 % genannt.
Schon 2025 erreichte der globale M&A-Markt mit rund 4,9 Billionen US-Dollar den zweithöchsten jemals gemessenen Wert, wobei das Transaktionsvolumen um mehr als zwei Fünftel über dem Vorjahr lag; der deutsche Markt verzeichnete damals ein vergleichbares Plus von rund 39 %, wie aus einem Überblick der Kanzlei Chambers & Partners von 2025 hervorgeht.
Strategische Käufer dominierten den Markt auch damals, während Finanzinvestoren ihre Aktivität wegen des niedrigen Zinsniveaus ausbauten.
Analysten rechnen damit, dass sich der positive Trend 2026 fortsetzt, auch weil Abspaltungen großer deutscher Konzerne künftig eine größere Rolle in der Dealaktivität spielen sollen.
Zugleich bleibt der Markt nach Einschätzung von Chambers & Partners ausgewogener verhandelt als in früheren Boomphasen: Klauseln zu Kaufpreisanpassungen, Earn-outs, Verkäuferdarlehen und Material-Adverse-Change-Regelungen tauchen demnach wieder häufiger auf, während sich die durchschnittliche Dauer der Transaktionen durch tiefere Prüfungen weiter verlängert.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.