Am 30. September 2026 kontrollierte die Finanzpolizei mehrere Betriebe im Hotelreinigungsgewerbe und stellte dabei 39 Übertretungen fest. Für Finanzminister Markus Marterbauer ist das kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer Haltung: Wer Steuern und Sozialabgaben hinterzieht, soll im ganzen Land damit rechnen, geprüft zu werden.
39 Übertretungen bei 28 Betrieben am 30. September
Für die Aktion waren 119 Finanzpolizistinnen und Finanzpolizisten im Einsatz, verteilt auf Hotels in fünf österreichischen Bundesländern. Überprüft wurden 128 Beschäftigte. Die Behörde zählte 26 Übertretungen gegen das Arbeitszeitgesetz, sieben gegen das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz, fünf gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz und eine gegen das Sozialbetrugsbekämpfungsgesetz.
Wegen offener Abgabenschulden pfändete die Finanzpolizei Forderungen in Höhe von rund 323.000 Euro. Marterbauer begründet solche Einsätze mit der Gerechtigkeit gegenüber ehrlichen Steuerzahlern – eine Linie, die konsequent im ganzen Land gelten soll.
Marterbauers Linie zeigt sich schon bei den Almhütten 2025
Dieselbe Haltung war bereits im September 2025 zu beobachten, als die Finanzpolizei 32 Almhüttenbetriebe in Tirol und Vorarlberg prüfte. Auch dort ging es um Anmeldungen zur Sozialversicherung, arbeitsrechtliche Vorschriften und steuerliche Pflichten.
Von 128 kontrollierten Beschäftigten war etwa jeder fünfte nicht ordnungsgemäß zur Sozialversicherung gemeldet. In 14 Betrieben fehlten Arbeitszeitaufzeichnungen, bei rund der Hälfte der Unternehmen waren die Nachweise mangelhaft. Drei Almhütten stellten keine Belege aus, bei einem Betrieb fehlte sogar die Registrierkasse.
Die Finanzpolizei entdeckte zudem einen hochpreisigen Pkw eines Hüttenwirtes mit ausländischem Kennzeichen und schrieb dafür Normverbrauchsabgabe sowie Kraftfahrzeugsteuer vor. Die zu erwartenden Strafen aus dieser Aktion beliefen sich auf etwa 100.000 Euro.
Vier Betriebe stehen im Verdacht auf Scheinunternehmen
Bei vier der kontrollierten Hotelreinigungsbetriebe besteht der Verdacht auf Scheinunternehmen im Sinne des Sozialbetrugsbekämpfungsgesetzes. Gegen zwei dieser Betriebe laufen bereits Ermittlungen, bei zwei weiteren gibt es Hinweise auf mögliche Scheinstrukturen.
Zeitgleich setzten deutsche Behörden rund 2.200 Einsatzkräfte von Bundespolizei und Finanzkontrolle Schwarzarbeit ein. Dort richten sich die Ermittlungen gegen eine mutmaßlich über mehrere Länder hinweg organisierte Gruppe, der Schleusung, illegale Beschäftigung, Arbeitsausbeutung sowie der Einsatz von Schein- und Nachunternehmen vorgeworfen werden.
Was die Kontrollen für die Branche bedeuten
Für Betriebe im Hotelgewerbe zeigt der Vergleich mit den Almhütten, dass Marterbauers Kontrollpolitik branchenübergreifend greift: von alpinen Hütten bis zu städtischen Hotels. Wer Beschäftigte nicht korrekt anmeldet oder Arbeitszeiten nicht dokumentiert, muss mit Anzeigen, Pfändungen und Nachforderungen rechnen.
Das Amt für Betrugsbekämpfung, dem die Finanzpolizei seit 2021 zugeordnet ist, bündelt dafür die Aufgaben von Finanzpolizei, Steuerfahndung und Finanzämtern als Finanzstrafbehörden. Diese Struktur soll laut Gesetzgeber vor allem organisierte und international agierende Betrugsnetzwerke besser erfassen – ein Ziel, das sich in den parallelen Kontrollen in Österreich und Deutschland bereits zeigt.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.