Eustella-Gründer und CEO Matteo Rosoli positioniert sein Wiener Unternehmen als europäische Antwort auf die KI-Dominanz aus den USA und China. Am 20. Oktober 2026 brachte Eustella mit Version 1.5 ein neues Release seiner Agenten-Plattform heraus, das laut Unternehmensangaben auf Cloud-Servern innerhalb Europas betrieben wird. Rosoli begründet den Schritt damit, dass Europa in der aktuellen Phase der KI-Entwicklung nicht nur zusehen dürfe.
Für ihn steht ein belegtes Ergebnis im Mittelpunkt: Bei 14 Leistungstests schnitt Version 1.5 im Schnitt um fünf Punkte besser ab als das zugrunde liegende Basismodell. Besonders deutlich fiel der Sprung beim Programmier-Benchmark LiveCodeBench aus, wo sich die Leistung um 17,1 Punkte verbesserte. Beim Befolgen komplexer Anweisungen (IFBench) legte das Modell um 10,9 Punkte zu, bei mehrstufigen Gesprächen (MultiChallenge) um 10,8 Punkte.
Wofür Rosoli mit Eustella steht
Die zentrale Entscheidung von Rosoli war, kein eigenes Basismodell von Grund auf zu entwickeln, sondern auf das chinesische Modell Qwen 3.8 27B zu setzen und es mit eigenen Daten weiterzutrainieren. Diese Wahl wirkt zunächst riskant für ein Unternehmen, das sich als europäische Alternative positioniert. Rosoli begegnet diesem Widerspruch, indem er die ideologische Schlagseite des Basismodells gezielt herausrechnet.
Laut Unternehmensangaben gab das Basismodell Qwen bei einem Anteil von 30,4 % aller getesteten Antworten das Narrativ der chinesischen Regierung wieder. Nach der Bearbeitung durch Eustella v1.5 sank dieser Anteil auf 1,9 %. Noch deutlicher zeigt sich der Effekt bei Fragen zu Taiwan: Vertrat das Basismodell in 85 % der Fälle die Position Pekings, waren es nach der Anpassung durch Eustella nur noch 2 %.
In direkten Leistungsvergleichen mit etablierten Modellen schlägt sich Eustella v1.5 nach eigenen Angaben respektabel. Bei LiveCodeBench erreichte das Modell 89,1 %, Claude Opus 5 kam auf 89,0 %, GPT-5.6 Sol erreichte 82,6 von 100 Punkten.
Beim Verständnistest für lange Dokumente mit der Bezeichnung AA-LCR kam Eustella v1.5 auf einen Wert von 87,5 %, während Claude Opus 5 nur 79,0 % und GPT-5.6 Sol 84 von 100 Punkten erreichten. Bei naturwissenschaftlichen Expertenfragen (GPQA Diamond) lag Eustella v1.5 mit 92,6 % knapp hinter Claude Opus 5 mit 93,9 %.
Der Weg zu mehr als 22.000 Nutzern
Rosolis Strategie, Leistung über Masse an Parametern zu stellen, zeigt sich auch im Vergleich mit Mistral Medium 3.5, das nach Unternehmensangaben etwa fünfmal so viele Parameter besitzt wie Eustella v1.5. Das kleinere Modell soll dennoch mithalten können, was Rosoli als Beleg für die Effizienz seines Ansatzes wertet.
Der Nutzerzuwachs gibt dieser Strategie bislang recht: Im Juni 2026 zählte die Eustella-App knapp 5.000 Nutzer, bis zur Ankündigung von Version 1.5 am 20. Oktober 2026 stieg die Zahl auf mehr als 22.000. Im August 2026 hatte Eustella bereits eine Optimierung veröffentlicht, die bei gleichem Preis eine achtfache Nutzung ermöglichte – ein Schritt, der dem Wachstum offenbar zusätzlichen Schub gab.
Die Entscheidung für zahlende Teams
Mit Version 1.5 vollzieht Rosoli einen weiteren Schritt: Erstmals führt Eustella kostenpflichtige Tarife für Unternehmen ein. Der Team-Tarif Orbit kostet 20 Euro pro Nutzer und Monat, der Enterprise-Tarif Constellation 80 Euro pro Nutzer und Monat und bietet dafür ein vierfaches Nutzungsvolumen. Damit wandelt sich Eustella von einer wachsenden Nutzer-App zu einem Unternehmen mit zahlendem Geschäftskunden-Modell.
- Version 1.5 verbesserte sich bei 14 Benchmarks im Schnitt um fünf Punkte gegenüber dem Basismodell.
- Die Nutzerzahl wuchs von knapp 5.000 im Juni auf mehr als 22.000 im Oktober 2026.
- Der Anteil regierungstreuer Antworten zu China sank von 30,4 % auf 1,9 %.
- Zwei neue Tarife richten sich erstmals gezielt an Teams und Unternehmen.
Was als Nächstes für Rosoli ansteht
Mit der Einführung von Team- und Enterprise-Plänen setzt Rosoli auf ein Geschäftsmodell, das über private Nutzer hinausgeht. Die Haltung dahinter bleibt dieselbe, die er für den gesamten Launch formuliert: Europa solle in der aktuellen Phase der KI-Entwicklung nicht nur zusehen, sondern eigene, unabhängig geprüfte Modelle anbieten.
Ob sich diese Positionierung im Wettbewerb mit US-amerikanischen und chinesischen Anbietern dauerhaft durchsetzt, hängt auch davon ab, wie sich die neuen Tarife bei zahlenden Unternehmenskunden bewähren.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.