Die Philip Morris Strategie markiert einen tiefen Einschnitt für den weltweit führenden privaten Tabakproduzenten: Das Unternehmen baut sein Geschäft von klassischen Zigaretten auf alternative Nikotinprodukte und neue Technologien um.
Nach eigenen Angaben sollen im vierten Quartal 2026 bereits 50 % der europäischen Nettoumsätze aus diesen neuen Produkten stammen. Vorgestellt wurden die Pläne vom Europa-Chef von Philip Morris International bei einem eigenen Event des Konzerns.
Die Wirtschaftszahlen dazu stammen von Philip Morris selbst. Die Prüfgesellschaft EY-Parthenon weist ausdrücklich darauf hin, die zugrunde liegenden Daten nicht unabhängig überprüft zu haben. Unabhängig davon zeigen die vorgestellten Projekte, wie weit der Konzern die Transformation bereits vorangetrieben hat.
Wie weit ist der Umbau zum Technologiekonzern schon?
- Campus Berlin-Neukölln: Das ehemalige Produktionswerk wurde im September 2025 erfolgreich zum Innovationscampus „NLND Berlin“ transformiert, auf dem internationale Start-ups an Lösungen für Robotik und künstliche Intelligenz forschen.
- KI-Zentrum Portugal: Philip Morris steuert globale Geschäftsabläufe über eine im Sommer 2026 eröffnete, konzerneigene Ideenschmiede für generative KI in Albarraque.
- Forschungsschwerpunkt Schweiz: Das weltweite Innovationszentrum „The Cube“ in Neuchâtel bleibt das Herzstück der wissenschaftlichen Produktentwicklung des Herstellers.
- Jugendschutz Österreich: Der Konzern rollt in Österreich flächendeckend KI-basierte Gesichtserkennung ein, um das Mindestalter an Automaten und Verkaufsstellen automatisiert zu überprüfen.
Welche Zahlen stehen hinter dem Wandel?
Eigene Erhebungen beziffern den wirtschaftlichen Gesamtbeitrag des Herstellers zur EU-Ökonomie zwischen 2021 und 2025 auf fast 343 Milliarden Euro und ist damit für rund 0,4 % des EU-Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. Für wissenschaftliche Innovationen und Produktentwicklung wendete die Gruppe in diesem Zeitraum rund 422 Millionen Euro innerhalb der EU auf, während weitere 2,2 Milliarden Euro in F&E-Projekte in der Schweiz flossen.
Auch außerhalb der klassischen Tabak- und Nikotinsparte expandiert der Konzern. Über seine Tochtergesellschaft Aspeya erwarb Philip Morris im Mai 2026 einen Anteil von 5,7 % am Unternehmen Waterdrop, im Rahmen einer Finanzierungsrunde von mehr als 100 Millionen Euro.
Was bedeutet der Streit mit der EU für die Zukunft?
Dem Umbau steht wachsender politischer Widerstand gegenüber. In einem gemeinsamen offenen Brief an den zuständigen EU-Kommissar für Gesundheit und Tierschutz forderten sieben europäische Länder, darunter Spanien und Frankreich, am 6. Oktober 2026 eine Verschärfung der Gangart. Sie fordern ein Ende von aggressivem Marketing für neue Tabak- und Nikotinprodukte sowie ein Aromenverbot und ein vollständiges Verbot von Nikotinbeuteln.
Die EU-Kommission soll laut den Staaten bis Ende 2026 eine richtungsweisende Entscheidung über die Überarbeitung des Rechtsrahmens für Tabak- und Nikotinprodukte treffen. Von diesem Beschluss dürfte abhängen, wie schnell und in welcher Form Philip Morris seinen Wandel vom Zigarettenkonzern zum Technologieunternehmen in Europa weiterführen kann.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.