Für Private-Equity-Manager im deutschen Mittelstand wird die KI Bewertung zum täglichen Thema: Der Dealflow-Indikator der Branche liegt unverändert bei 5,4 von zehn Punkten, während künstliche Intelligenz zunehmend darüber mitentscheidet, wie viel ein Unternehmen künftig wert ist.
Stabiler Dealflow
Obwohl der Dealflow-Indikator stagniert, schätzen die Manager ihre Position gegenüber strategischen Käufern inzwischen deutlich besser ein: Binnen weniger Monate stieg dieser Wert um 0,6 Punkte. Das ist der stärkste Anstieg dieser Kennzahl seit Langem. Als Grund gelten KI-gestützte Analysewerkzeuge, die es Investoren erlauben, in Bieterprozessen schneller und fundierter zu urteilen.
Neue Strategien
Zwei Jahre lang hatte sich die Private-Equity-Branche defensiv auf Kostenprogramme und Effizienzsteigerung konzentriert. Diese Priorität rückt mittlerweile in den Hintergrund, stattdessen gewinnt das gezielte Erschließen neuer Geschäftsfelder stark an Bedeutung. Buy-and-Build bleibt dabei die am häufigsten eingesetzte Strategie zur Wertsteigerung in Portfolios.
Fast die gesamte Branche erwartet inzwischen spürbare Effizienzgewinne durch künstliche Intelligenz. Gleichzeitig erkennt die Hälfte der befragten Manager an, dass KI auch disruptives Potenzial für bestehende Geschäftsmodelle besitzt. In der Due Diligence klaffen zwischen erwarteter Bedeutung und tatsächlichem Einsatz der Technologie kaum noch Lücken, auch im Dealsourcing wird KI bereits routinemäßig genutzt.
KI als Risiko
Beim operativen Ausbau der Wertschöpfung in Portfoliounternehmen zeigt sich hingegen ein anderes Bild: Dort fällt der Abstand zwischen dem, was Manager von KI erwarten, und ihrem tatsächlichen Einsatz am deutlichsten aus.
Mehr als die Hälfte der befragten Manager registriert bereits messbare Effekte von künstlicher Intelligenz auf die Bewertung ihrer Beteiligungen. Die Mehrheit dieser Effekte wirkt belastend oder zumindest mehrdeutig, nur ein kleiner Teil profitiert von höheren Multiples.
Besonders exponiert sind Software-Geschäftsmodelle, weil ihre Substanz durch KI-basierte Alternativen infrage gestellt werden kann. Bei Investitionen mit Haltehorizonten von fünf bis sieben Jahren müssen Investoren deshalb schon heute antizipieren, wie technologiefest ein Geschäftsmodell für künftige Käufer bleibt.
Uneinigkeit bleibt
Offen ist, ob künstliche Intelligenz für traditionelle, technologisch konservative Unternehmen ein Modernisierungshebel darstellt oder zu hohe Transformationsrisiken birgt. Ein erheblicher Teil der Manager hat dazu noch keine belastbare Position gefunden.