Roman Hölzl hat sein Münchner Robotik-Start-up RobCo von einem Anbieter für Mittelstandsautomatisierung zu einem global agierenden Unternehmen umgebaut. Mit der Übernahme des US-Anbieters Rapid Robotics beschleunigte er den Einstieg in den amerikanischen Markt erheblich. RobCo erreichte inzwischen eine Bewertung von einer Milliarde Dollar.
Milliardenwert erreicht
Die aktuelle Finanzierungsrunde brachte RobCo rund 40 Millionen Dollar ein, größtenteils aus dem Verkauf von Mitarbeiteranteilen statt aus frischem Kapital. Insgesamt hat das Unternehmen damit knapp 200 Millionen Dollar eingesammelt.
Die Bewertung von einer Milliarde Dollar hat sich binnen neun Monaten verdoppelt, nachdem RobCo im Januar 2026 bereits mit rund 500 Millionen Dollar bewertet worden war. Damit zählt RobCo neben Neura Robotics und Agile Robots zu den deutschen Robotik-Einhörnern.
Vom Mittelstand zum Konzern
Gegründet wurde RobCo 2020 in München. Hölzl verlagerte den Fokus seines Unternehmens von der Automatisierung mittelständischer Betriebe hin zu großen Konzernen und internationalen Märkten. Die Belegschaft wuchs von rund 80 Mitarbeitern vor zwei Jahren auf inzwischen 225 Personen.
Mehr als 1.200 Robotersysteme hat RobCo bislang verkauft, der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um das 3,3-Fache. Ein Viertel der Mitarbeiter und ebenso viel vom Umsatz entfallen mittlerweile auf die USA.
Übernahme in den USA
Im Dezember 2024 übernahm RobCo den US-Anbieter Rapid Robotics, der auf Robotics-as-a-Service spezialisiert war. Mit dem Zukauf sicherte sich Hölzl Hardware, Kundenbeziehungen und ein erfahrenes Team – darunter Verbindungen zu zwei der zehn größten Fortune-100-Unternehmen.
Innerhalb von acht Monaten baute RobCo daraus einen eigenen Montagestandort in Austin, Texas auf. Heute betreut das Unternehmen Kunden in 14 US-Bundesstaaten, ergänzt durch ein Labor in San Francisco.
Wachstum vor Gewinn
Hölzl ist nach eigenen Angaben selbst in die USA gezogen, um die Expansion persönlich zu leiten. Gewinn schreibt RobCo derzeit nicht, stattdessen investiert das Unternehmen massiv in Produktentwicklung und den US-Marktausbau.
Rund 70 % des Geschäfts bleiben laut Hölzl weiterhin in Europa, Produktion und Montage laufen parallel in Deutschland weiter. Investoren wie Sequoia, Lightspeed und Cherry Ventures sowie die VC-Arme von Volkswagen und der Agnelli-Familie tragen diese Strategie mit.
Alfie kommt 2027
Für März 2027 kündigt Hölzl auf dem RobCoN-Gipfel in München die Markteinführung von Alfie an, einem autonomen, zweiarmigen Industrieroboter. Alfie soll mithilfe künstlicher Intelligenz unstrukturierte Umgebungen bewältigen, selbstständig lernen und eigene Entscheidungen treffen. Erste Kunden haben laut Hölzl bereits Prototypen des Systems installiert.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.