Sam Altman, CEO von OpenAI, sagt, dass Startups mit dem Coding-Agenten Codex Arbeiten in rund 17 Minuten erledigen, für die sie früher drei Monate benötigten. Auf einem Bühnengespräch in Chapel Hill beschrieb er diese Beschleunigung als Grundlage für den nach seiner Einschätzung größten Gründungsboom aller Zeiten. Für ihn zeigt sich darin, wie stark Künstliche Intelligenz die Hürden für neue Unternehmen senkt.
Die Aussage reiht sich in eine Serie öffentlicher Auftritte, in denen Altman seine Sicht auf den Umbruch durch KI-Agenten erläutert hat, von G20-Vertretern bis zur Y-Combinator Startup School. Dahinter steht eine Haltung, die er seit Jahren vertritt: Technologie soll möglichst vielen Menschen den Zugang zum Unternehmertum öffnen.
Wofür steht Sam Altman mit einem belegten Ergebnis?
Altman führt als Beleg einen Waschsalon-Betreiber an, der kurz nach dem Start von ChatGPT Marketing, Verträge und Lieferantenmanagement mit KI-Werkzeugen übernahm, Aufgaben, für die er zuvor kein eigenes Team gebraucht hätte.
Daran macht er fest, dass Kapital, Fachkräfte und technisches Know-how heute seltener als Einstiegshürde wirken. Seit 2025 habe sich diese Beschleunigung durch Coding-Agenten und KI-Werkzeuge für Büroarbeit deutlich verstärkt.
Gegenüber G20-Vertretern betonte er zudem, dass jede Volkswirtschaft KI übernehmen müsse, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das zeigt: Für Altman ist die Entwicklung kein Nischenthema für einzelne Start-ups, sondern eine Frage für ganze Volkswirtschaften.
Wie kam Altman zu dieser Haltung?
Der Weg dorthin reicht weit zurück. Altman gründete sein erstes Technologieunternehmen bereits als Teenager und leitete mit 28 Jahren den Start-up-Inkubator Y Combinator, bevor er 2015 zu den Mitgründern von OpenAI zählte, damals noch als gemeinnützige Organisation.
Seit der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 hat sich OpenAI zu einem der einflussreichsten Technologieunternehmen entwickelt: Der Dienst zählt inzwischen mehr als 800 Millionen Nutzer pro Woche, das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 13 Milliarden US-Dollar und wurde zuletzt mit 500 Milliarden US-Dollar bewertet.
Diese Erfahrung, vom kleinen Start-up zum globalen Marktführer, prägt erkennbar seine Argumentation: Wenn ein Werkzeug wie Codex einzelnen Gründern Aufgaben abnimmt, die früher ganze Teams banden, dann verschiebt sich aus seiner Sicht die gesamte Startkurve für neue Unternehmen.
Was zeigt das Mindset im Alltag?
Bemerkenswert ist, dass Altman die eigene Position nicht unkritisch vorträgt. Bei der Y-Combinator Startup School wies er im Sommer die Ansicht zurück, ein einzelner Codex-Prompt könne ein ganzes Start-up ersetzen.
Bereits zu Jahresbeginn gestand er unverblümt, dass ihm Codex beim Entwickeln einer eigenen App mit kreativeren Lösungsansätzen zuvorkam und er sich phasenweise überflüssig vorgekommen sei, eine für einen KI-Firmenchef ungewöhnlich selbstkritische Bemerkung.
Gleichzeitig verweist er darauf, dass sich bestimmte Aufgaben nicht an Coding-Agenten delegieren lassen:
- Kundenfindung bleibt eine Aufgabe, die Gründer selbst lösen müssen.
- Vertriebsaufbau erfordert weiterhin persönlichen Einsatz.
- Finanzierungssicherung hängt von Beziehungen und Verhandlungen ab.
- Regulatorische Vorgaben lassen sich nicht automatisieren.
Diese Einschränkung passt zu seinem Rat an Gründer, die durch KI-Werkzeuge gewonnene Zeit nicht für weniger Arbeit, sondern für ehrgeizigere Projekte zu nutzen. Sein Mindset lautet demnach: KI verschiebt, wo Zeit investiert wird, sie ersetzt aber nicht die unternehmerische Grundarbeit.
Was hat Sam Altman als Nächstes vor?
Nach Altmans Einschätzung werden Einzelpersonen und kleine Firmen künftig auf KI-Agenten zurückgreifen können, die über lange Zeiträume hinweg wie feste virtuelle Mitarbeiter mitarbeiten.
Damit verbindet er die Erwartung, dass mehr Menschen ein eigenes Unternehmen gründen, weil ihnen ein Teil der bisherigen Hemmnisse wie fehlende Finanzmittel oder schwer verfügbare Fachkräfte abgenommen wird. Im Wettbewerb um Coding-Agenten, in dem Codex auf Claude Code von Anthropic, Cursor, Lovable und Replit trifft, treibt das auch das Tempo der Entwicklung weiter an.