Österreich bekommt einen zusätzlichen Rahmen für die Ausgründung von Unternehmen aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie den Künsten. Der neue Ansatz mit dem Namen SHAPE Austria ergänzt den bestehenden Ausgründungsrahmen, der 2024 vor allem technologieorientierte Startups im Blick hatte.
Während klassische Spinoffs häufig aus Patenten oder Laborergebnissen entstehen, zielt SHAPE Austria auf Gründungen ab, die aus gesellschaftlichen Anliegen wachsen, etwa aus Kunst, Bildung oder sozialer Arbeit.
Wie der Bericht entstand
Der zugrunde liegende Bericht wurde zwischen November 2025 und Juni 2026 von einer Arbeitsgruppe erarbeitet. Insgesamt waren 27 Institutionen beteiligt, davon 16 Hochschulen. Ergänzend führte die Arbeitsgruppe Interviews mit 16 weiteren Einrichtungen, die bereits praktische Erfahrung mit solchen Ausgründungen gesammelt haben.
Elf Empfehlungen
Aus der Arbeit ist ein Bericht mit insgesamt elf Empfehlungen entstanden. Sechs davon richten sich an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf weitere an Transferstellen und Career Center, die Gründungsinteressierte im Alltag begleiten.
Warum die Gründungsmotive anders sind
Der Bericht hält fest, dass Gründungen aus Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften typischerweise nicht aus einer erkannten Marktchance entstehen, sondern aus dem Anliegen, ein gesellschaftliches Problem zu lösen. Nach innen empfiehlt der Bericht deshalb eine wirkungsorientierte Sprache, nach außen sollen weiterhin klassische Startup-Begriffe verwendet werden, damit Förderstellen und Investoren die Projekte einordnen können.
Strukturell gelten SHAPE-Gründungen zudem oft als kostengünstiger und schneller realisierbar als technologische Spinoffs, weil weder Labor noch Patentierungsprozess nötig sind.
Flexible Strukturen statt GmbH
Statt der klassischen GmbH empfiehlt der Bericht flexible Rechtsformen wie Vereine, Genossenschaften oder Hybridmodelle. Für Spinoffs ohne verwertbare Patente soll zudem ein eigenes IP-Regelwerk für Urheberrecht, Software, Daten und Know-how greifen.
Als Vorbild dient die Universität Bristol: Sie verlangt eine Beteiligung von 20 % bei patentbasierten Spinoffs, nur 5 % bei Spinoffs mit leichtem geistigem Eigentum und verzichtet ganz auf eine Beteiligung, wenn kein verwertbares IP vorliegt. Nach britischem Vorbild des Aspect Network wird außerdem empfohlen, ein österreichweites SHAPE-Netzwerk aufzubauen.