Beim Standortranking 2026 zeigt sich ein Muster, das viele Beobachter überrascht: Nicht die wirtschaftsstärkste Region gewinnt bei Unternehmern automatisch die Gunst, sondern jene mit der größten Dynamik.
Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) ist der Landkreis München zwar die wirtschaftsstärkste Region Deutschlands, im separaten Dynamikranking des IW führt jedoch Cottbus. Das wirft die Frage auf, wonach Gründer und Unternehmer ihre Standortentscheidungen heute tatsächlich ausrichten.
Die Antwort liegt in einer Kombination aus Wachstumschancen, Kostenstruktur und veränderten Arbeitsformen. Wer als Unternehmer einen neuen Standort sucht, prüft längst nicht mehr nur das aktuelle Wirtschaftsniveau einer Region, sondern auch, wohin sich diese entwickelt.
Warum schlägt Cottbus etablierte Wirtschaftszentren?
Cottbus profitiert laut IW vom Strukturwandel in der Lausitz, von neuen Forschungsprojekten und von Investitionen in Infrastruktur und Wissenschaft. Auf Platz zwei des Dynamikrankings folgt Neumünster. Insgesamt verzeichnen nach IW-Angaben Schleswig-Holstein und Brandenburg eine zunehmende wirtschaftliche Dynamik, während elf der zwanzig wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands weiterhin in Bayern liegen.
Das IW weist zudem darauf hin, dass wirtschaftliche Stärke und unternehmerfreundliche Rahmenbedingungen deutlich auseinanderfallen können. Eine Region kann wirtschaftlich stark sein und für Neugründungen trotzdem wenig attraktiv wirken, wenn die Kostenstruktur dagegenspricht.
Welche Rolle spielt die Gewerbesteuer für Unternehmer?
Ein Faktor, der laut IW bei der Standortwahl häufig unterschätzt wird, ist die Gewerbesteuer. Die Hebesätze unterscheiden sich zwischen Städten teils erheblich:
- München verlangt einen Gewerbesteuersatz von 490 %.
- Grünwald im Landkreis München kommt auf 240 %.
- Cottbus liegt bei einem Hebesatz von 400 %.
- Koblenz erhebt 440 %.
Kemnath im Landkreis Tirschenreuth kommt sogar auf 230 % und zeigt damit, dass auch innerhalb wirtschaftsstarker Regionen große Unterschiede bestehen. Wer als Gründer rechnet statt nur auf den Namen eines Standorts zu vertrauen, kann hier erhebliche Unterschiede bei der laufenden Steuerlast einkalkulieren.
Wie verändert sich das Städteranking insgesamt?
Auch das separate Standortranking von Die Deutsche Wirtschaft, das zweimal jährlich erscheint, zeigt Bewegung. In der Version vom Oktober 2026 sind 1.762 Städte gegenüber der vorherigen Ausgabe gestiegen, während 2.092 Orte Plätze verloren haben.
15 Orte wurden neu platziert, 16 überwiegend kleinere Gemeinden kamen neu hinzu. Die Top 10 des Rankings blieben dabei unverändert, insgesamt sind inzwischen 24.920 Top-Unternehmen in die Bewertung eingebunden, die zu sieben Faktoren erfolgt und ab mindestens sieben Bewertungen in eine Durchschnittsnote mündet.
Innerhalb der Top 100 verbesserte sich Hanau um 18 Plätze auf Rang 61, zwei Städte stiegen neu in die Top 100 auf. Solche Bewegungen bestätigen, dass sich Standortvorteile heute schneller verschieben als früher.
Was bedeutet das für Gründer und Unternehmer?
Remote Work und digitale Geschäftsmodelle reduzieren laut IW die Abhängigkeit vieler Unternehmen von zentralen Großstadtstandorten. Die wirtschaftlich dynamischsten Regionen befinden sich dem Institut zufolge inzwischen seltener in den großen Metropolen selbst, dafür häufiger im angrenzenden Umland oder in kleineren, spezialisierten Städten.
Für Gründer heißt das: Wer einen neuen Standort sucht, sollte neben der aktuellen Wirtschaftskraft auch die Dynamik und die tatsächliche Kostenstruktur vor Ort einbeziehen, statt sich allein am Bekanntheitsgrad einer Metropole zu orientieren.