Seit zwei Jahrzehnten steht Ute Zeller an der Spitze der Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf. 2026 gewinnt die integrierte Gesamtschule mit mehr als 2.000 Schülern den Deutschen Schulpreis und damit 100.000 Euro Preisgeld. Die Jury würdigt vor allem, dass die Schule gemeinsame pädagogische Ziele über Jahre hinweg mit konsequenter Ausdauer verfolgt.
Das zeigt sich an mehreren Punkten im Kurzüberblick:
- Deutscher Schulpreis 2026: Hauptpreis mit 100.000 Euro für die Bertha-von-Suttner-Schule
- Ute Zeller kam vor 20 Jahren an eine Schule mit zerstrittenem Kollegium und einer Oberstufe vor der Schließung
- Sie führte das Fach Spanisch ein, um die Oberstufe zu retten
- Heute entwickelt die Schule eigene KI-Bots zur Sprachförderung
Ute Zeller: Die Schule, die lange als „Assischule“ galt
Die Bertha-von-Suttner-Schule hatte über Jahre mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. Manche bezeichneten sie abwertend als „Assischule“. Die Jury des Deutschen Schulpreises sieht das heute anders: Multiprofessionelles Arbeiten und Inklusion gelten an der Schule als Regel, nicht als Ausnahme, und als tief verwurzelte Haltung. Jurysprecher Thorsten Bohl bezeichnet die Bertha als bundesweites Vorbild für Chancengerechtigkeit. Besonders hervorgehoben wird zudem der reflektierte Umgang mit Digitalität und Daten – ein Feld, in dem die Schule bereits 2025 bei der ersten bundesweiten KI-Schulpreis-Vergabe den zweiten Platz in der Kategorie KI-Gesamtkonzept erreichte.
Der Weg zur Bertha-von-Suttner-Schule führte durch ein zerstrittenes Kollegium
Bei ihrem Amtsantritt vor 20 Jahren traf Ute Zeller auf schwierige Verhältnisse: Innerhalb des Kollegiums herrschte Zerwürfnis, und der Fortbestand der Oberstufe war akut gefährdet. Statt die Schule kleinzureden, suchte Zeller nach einem Hebel, um Schüler zu halten und neue Angebote zu schaffen.
Die Entscheidung für das Fach Spanisch rettete die Oberstufe
Eine der prägenden Entscheidungen Zellers war die Einführung des Fachs Spanisch. Ziel war es, mehr Schüler in der Oberstufe zu halten, statt die Jahrgänge an andere Schulen zu verlieren. Die Rechnung ging auf: Aus einer gefährdeten Oberstufe wurde über die Jahre ein stabiler Bestandteil der Schule.
Ute Zellers Mindset: Mehr Ressourcen nutzen, nicht nur verwalten
Aufgrund des Sozialindex stehen der Bertha-von-Suttner-Schule zwei Stellen mehr an Ressourcen zur Verfügung als vergleichbaren Schulen. Anstatt dieses zusätzliche Budget lediglich zu verteilen, nutzt Zeller es gezielt für ein differenziertes Kurssystem: In den einzelnen Fächern bietet die Schule A-, B- und C-Kurse für verschiedene Leistungsstufen an. Damit sollen sowohl leistungsstarke als auch leistungsschwächere Schüler passende Angebote finden. Die Schule hat sich zudem für das Gütesiegel Hochbegabtenförderung beworben – ein Zeichen dafür, dass individuelle Förderung an der Bertha in beide Richtungen gedacht wird, nicht nur als Unterstützung für schwächere Schüler.
Was als Nächstes ansteht: Hochbegabtenförderung und eigene KI-Bots
Die Schule entwickelt und hostet eigene, spezialisierte KI-Bots für die individuelle Sprachförderung. Dieser Weg soll fortgeführt werden, ergänzt um die angestrebte Auszeichnung für Hochbegabtenförderung. Für Schüler, Eltern und Kollegium bedeutet das: Die Bertha-von-Suttner-Schule bleibt auch nach dem Deutschen Schulpreis ein Ort, an dem Förderung in beide Richtungen weitergedacht wird.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.