Elektronikprodukte stecken voller wertvoller Rohstoffe, lassen sich aber oft weder reparieren noch recyceln. Das Wiener Startup Klartext AI will das mit einem KI-Assistenten ändern, der Herstellern zeigt, welche Bauteile sich lohnen zu retten. Für das Projekt erhält das Unternehmen eine Förderung von 250.000 Euro von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft.
Hinter dem Ansatz steht die Haltung, dass Technologie Entscheidungen nachvollziehbar machen muss, statt sie als Blackbox zu liefern. Diesen Grundsatz vertritt Anna Poledna von Klartext AI, die den Schwerpunkt auf Nachvollziehbarkeit als Kern der Entwicklung beschreibt.
Wofür steht Anna Poledna bei Klartext AI?
Anna Poledna betont, dass Nutzer erkennen können sollen, auf welcher Grundlage das System seine Vorschläge trifft. Diese Haltung prägt die gesamte Entwicklung des Startups, das 2025 gegründet wurde und auf Wissensgraphen sowie Multi-Agenten-Systeme als Technologiebasis setzt.
Das Unternehmen baut ein KI-Agentensystem mit eigener Benutzeroberfläche, das Daten aus verschiedenen Quellen verknüpft. Für Poledna ist dabei entscheidend, dass Unternehmen den Vorschlägen der Software vertrauen können, weil sie deren Zustandekommen nachvollziehen.
Wie funktioniert der ManageR Copilot?
Im Mittelpunkt des neuen Eureka-Forschungsprojekts ManageR steht der sogenannte ManageR Copilot. Das Projekt startete am 1. Oktober 2026 und läuft drei Jahre bis September 2029. Dabei bündelt der Assistent Wissen zu Produkteigenschaften, eingesetzten Werkstoffen und rechtlichen Anforderungen und leitet daraus praxistaugliche Empfehlungen für das Handeln ab.
Das Tool soll Unternehmen dabei unterstützen, für einzelne Produkte und Komponenten passende Kreislaufstrategien zu finden. Es soll bewerten, ob ein Bauteil repariert, wiederverwendet, aufbereitet oder recycelt werden sollte, und dabei sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Faktoren berücksichtigen.
Zum Einsatz kommen soll die Anwendung an mehreren Punkten im Lebenszyklus eines Produkts, etwa schon während der Entwicklung oder später beim Einkauf.
Das Projekt reagiert auf regulatorischen Druck aus Brüssel: Die EU-Ökodesign-Verordnung ESPR zielt unter anderem darauf ab, Produkte langlebiger und reparierbarer zu machen. Hinzukommen soll außerdem ein Digitaler Produktpass, der künftig Angaben zu eingesetzten Materialien, möglichen Reparaturen und den Umweltfolgen eines Produkts bereitstellt.
Am Projekt sind mehrere Partner beteiligt, die unterschiedliche Stärken einbringen:
- Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung koordiniert das Projekt ManageR.
- Die Universität Stuttgart bringt ihre Expertise in der Ökobilanzierung ein.
- Das Unternehmen ifm stellt ein 3D-Kamerasystem zur Verfügung, um die Technologie zu testen.
- Der Hersteller Ansmann liefert ein Ladegerät als Testobjekt für die Software.
Was hat Klartext AI als Nächstes vor?
Mit dem Projektstart beginnt für Klartext AI die praktische Erprobung des ManageR Copilot an realen Produkten wie dem 3D-Kamerasystem von ifm und dem Ladegerät von Ansmann. Die kommenden drei Jahre sollen zeigen, ob sich der Ansatz der Nachvollziehbarkeit auch im industriellen Alltag bewährt.