Standardsprache verstehen Sprachmodelle inzwischen zuverlässig, bei österreichischen Dialekten versagen viele jedoch regelmäßig. Genau dort setzt die Fawks AI-Gründerin Neha Agarwal an: Ihr Wiener Start-up entwickelt eine Speech-Engine, die Telefonanrufe im Kundensupport eigenständig führt und dabei auch Wienerisch oder Österreichisch-Bairisch erkennen soll.
Aus diesem beruflichen Umweg wurde über ein Jahrzehnt später ein eigenes Unternehmen, das europaweit eine Lücke bei der Spracherkennung schließen will.
Wofür Fawks AI heute steht
Fawks AI hat mit der Technologie HIVE eine Kerntechnologie entwickelt, die als Grundlage für die Speech-Engine dient. Erste Tests mit zahlenden Kunden laufen laut Unternehmen bereits, die Software soll Telefonate im Kundenservice automatisiert abwickeln.
Besonders ist dabei die Dialekterkennung: Bestehende Sprachmodelle erreichten bei Benchmarking-Tests laut Agarwal nur eine Erkennungsrate von 68 % für Dialekte wie Vorarlbergerisch oder Wienerisch.
Nach Angaben der Gründerin gab es bislang kein europäisches Spracherkennungsmodell, das deutsche Dialekte gezielt abdeckt – lediglich US-amerikanische Modelle waren verfügbar. Fawks AI deckt aktuell Standarddeutsch, Wienerisch und Österreichisch-Bairisch ab, die Implementierung von Schweizerdeutsch ist geplant.
Wie kam Agarwal von der IAEA zum eigenen Start-up?
Agarwal blieb jedoch deutlich länger in Österreich und baute über die Jahre ein Verständnis für den heimischen Markt und seine sprachlichen Besonderheiten auf. Diese Erfahrung bildete später die Grundlage für die Idee zu Fawks AI, das sie gemeinsam mit COO Arun Gaurav in Wien gründete.
Welche Entscheidung das Unternehmen geprägt hat
Statt eine allgemeine Sprach-KI für den internationalen Markt zu bauen, entschied sich Agarwal gezielt für die Nische der österreichischen Dialekte. Diese Entscheidung bestätigte sich durch externe Anerkennung: Fawks AI wurde unter 150 Bewerbungen als eines von acht Start-ups für den Venture-Cake-Jahrgang von weXelerate ausgewählt.
Zusätzlich erhielt das Unternehmen im Rahmen des Programms aws Preseed Deep Tech eine Förderung der Austria Wirtschaftsservice, die laut der Förderstelle dazu dienen soll, die Technologie HIVE vom Konzept zu einem produktionsreifen Prototyp weiterzuentwickeln.
Im österreichischen Markt für Sprach-KI steht Fawks AI dabei nicht allein. Mehrere Punkte zeigen, in welchem Umfeld sich das Start-up bewegt:
- Zu den Mitbewerbern zählen die Unternehmen fonio, KI-Note und NeedNect.
- Fawks AI erhielt eine Förderung von 300.000 Euro über das aws-Programm Preseed Deep Tech.
Wie sich das Mindset im Alltag zeigt
Agarwals Weg von der Atomenergiebehörde zur Gründerin eines KI-Start-ups zeigt eine Bereitschaft, berufliche Umwege als Grundlage für etwas Eigenes zu nutzen. Statt die sprachliche Vielfalt Österreichs als Hindernis für Technologie zu sehen, machte sie genau diese Lücke zum Kern ihres Geschäftsmodells.