Die Filmemacherin Bettina Wobst hat mit ihrer Reportage „Nationalparks, Brandherde und Naturparadiese?“ den Journalistenpreis 2026 in der Kategorie Multimedia gewonnen. Am 6. November 2026 wurde ihr die Auszeichnung im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in Frankfurt am Main durch das Vergabegremium persönlich ausgehändigt. Der deutsch-tschechische Journalistenpreis wird seit 2016 vergeben.
Preis in Frankfurt
Die Jury würdigte die Reportage als relevant, informativ und konstruktiv mit einem bewegenden und unparteiischen Zugang. Verliehen wird die Auszeichnung vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gemeinsam mit Journalistenverbänden aus Deutschland und Tschechien. Ausgezeichnet werden damit Journalistinnen und Journalisten, deren Berichterstattung über das Nachbarland frei von gängigen Klischees ist und auf solider Recherche beruht.
Der Weg zur Reportage
Der MDR beauftragte die Produktion und wollte damit beide Perspektiven im Konflikt zwischen Nationalpark-Kritikern und Befürwortern nachvollziehbar darstellen. Die Reportage wurde am 16. Juni 2026 ausgestrahlt. Am Beispiel der Sächsisch-Böhmischen Schweiz zeigt sie, wie Klimawandel, Dürre und Waldbrände die Schutzkonzepte von Nationalparks unter Druck setzen.
Schicksal in Mezná
Im tschechischen Ort Mezná verlor ein Ehepaar im Sommer 2022 sein Haus bei einem Waldbrand. Die betroffenen Anwohner sehen die Ursache in unzureichenden Brandschutzmaßnahmen und großen Mengen abgestorbenen Holzes. Genau an solchen Schicksalen setzt die Reportage an, um den Konflikt greifbar zu machen.
Entscheidung für beide Seiten
Die prägende Entscheidung des MDR war, Kritiker und Befürworter des Nationalparks gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen, statt eine Seite zu bevorzugen. Wobst selbst betont, dass alle Beteiligten im Streit um die Waldbrandbekämpfung versuchen, Lösungen zu finden. Diese Haltung zieht sich durch die gesamte Reportage und erklärt, warum die Jury den unparteiischen Zugang besonders hervorhob.
Zusammenarbeit über Grenzen
Im Mittelpunkt der Reportage stehen zudem die Waldbrand-Fachleute Louis Georgi und Jaroslav Hocko, die auf beiden Seiten der Grenze gemeinsam in den Nationalparks aktiv sind. Gemeinsam arbeiten sie an Methoden, Brände frühzeitig zu erkennen und zu löschen, wobei Drohnen eine immer größere Rolle spielen. Im Frühjahr 2026 brach erneut ein Brand im Nationalpark Böhmische Schweiz aus.