Michael Hurnaus hat Tractive aufgebaut und an den italienischen Softwarekonzern Bending Spoons verkauft.
Statt sich nach dem Exit zurückzuziehen, bringt er sein Kapital nun gemeinsam mit 18 früheren Führungskräften in die neue Investmentgesellschaft Traxit ein und zählt damit zu den ersten Tractive-Investoren, die wieder in junge Unternehmen investieren. Ihr erstes öffentlich bekanntes Investment fließt in das österreichische Kochkurs-Start-up 7hauben.
Traxit wurde im August 2026 gegründet und bringt ein Kapital im niedrigen siebenstelligen Bereich mit, das die 19 Mitglieder selbst eingebracht haben. Pro Unternehmen sollen laut Traxit typischerweise zwischen 50.000 und 150.000 Euro fließen, bei 7hauben liegt die Summe im mittleren sechsstelligen Bereich.
Wofür Hurnaus mit seinem Investment steht
7hauben hat nach eigenen Angaben mehr als 100.000 zahlende Kundinnen und Kunden und wächst beim Umsatz knapp 40 % über dem Vorjahreszeitraum. Die Neukundengewinnung legt laut Unternehmen um knapp 70 % zu. Hurnaus begründet die Investition mit den hochwertigen digitalen Inhalten, dem skalierbaren Abo-Modell, dem starken Wachstum, der Produktentwicklung und der internationalen Perspektive des Start-ups.
Gleichzeitig übernimmt 7hauben das deutsche Unternehmen Vegan Masterclass sowie das Weiterbildungsangebot der vefa Fernschule. Damit wächst das Kursangebot auf mehr als 150 Online-Kochkurse. Vegan-Masterclass-Gründer Sebastian Copien bleibt an Bord und führt die Marke eigenständig weiter.
Wie es zu Traxit kam
Bending Spoons hatte Tractive für rund 770 Millionen Euro übernommen und kurz danach mehr als die Hälfte der Stellen gestrichen. Laut Sprecherin Maria Rupprechter fiel die Entscheidung ohne Einbindung des bisherigen Tractive-Führungsteams; einige Bereiche sollen künftig von Bending Spoons selbst oder mit künstlicher Intelligenz abgedeckt werden.
Hurnaus kündigte seinen Rückzug bereits beim Closing der Übernahme an, der Großteil des Teams verließ Tractive in den ersten Wochen danach – laut Rupprechter ein bei Bending-Spoons-Übernahmen üblicher Ablauf.
Die Entscheidung, die den Unterschied macht
Statt das Kapital aus dem Verkauf allein zu verwalten, bündelt Hurnaus es mit den anderen ehemaligen Tractive-Managern zu einem gemeinsamen Investmentvehikel. Die Mitglieder bringen zusammen mehr als 100 Jahre Erfahrung von Tractive mit und haben zuvor bei Unternehmen wie Microsoft, Amazon, Trivago, Zalando und KPMG gearbeitet. Diese Entscheidung für ein gemeinsames Vehikel statt Einzelinvestments prägt, wie Traxit heute arbeitet.
Wie Traxit im Alltag entscheidet
Traxit konzentriert sich auf Early-Stage-Unternehmen, die bereits erste Umsätze erzielen, und hat vor der offiziellen Vorstellung bereits mehrere Investment Commitments abgegeben.
- Consumer-fokussierte Geschäftsmodelle mit direktem Endkundenbezug stehen im Zentrum.
- Wiederkehrende Umsätze durch Abo-Modelle gelten als bevorzugtes Kriterium.
- Kombinationen aus Hardware und Abonnement interessieren das Team besonders.
- Unternehmen aus dem Pet-Tech- und Haustierbereich passen zur früheren Tractive-Erfahrung.
Von den ersten vier Beteiligungen kommen zwei aus Österreich – eine aus Oberösterreich, eine aus Wien –, je eine weitere geht nach Deutschland und Großbritannien. Ein relevanter Teil der Investments soll laut Traxit bewusst in Österreich erfolgen, ohne dass sich das Team auf eine feste Region festlegt.
Was als Nächstes kommt
Bei 7hauben soll das Wachstum weitergehen: Das Unternehmen peilt bis Jahresende 2026 mehr als drei Millionen Euro wiederkehrenden Jahresumsatz an. Johannes Sailer treibt zudem die internationale Expansion von 7hauben voran, nachdem mit Vegan Masterclass bereits der Schritt nach Deutschland erfolgt ist.