Diese Haltung führte zu einer Zusammenarbeit mit dem Wiener KI-Startup BReact und zu einem System namens Susi-Sorglos, das heute im Unternehmen genutzt wird.
Die Entscheidung fiel damit gegen den naheliegenden Weg, einen fertigen KI-Dienst eines großen Anbieters einzukaufen. Stattdessen entstand eine Lösung, die auf einem Sprachmodell des französischen Unternehmens Mistral basiert und vollständig in der eigenen IT-Umgebung läuft.
Wofür die Entscheidung von Weratschnig steht
Nach Angaben von Peter Weratschnig erfolgt die Datenhaltung ausschließlich in den eigenen IT-Systemen der Stadtwerke. Nur die GPU-Rechenleistung, die für die Berechnungen des Sprachmodells nötig ist, wird bei einem italienischen Anbieter angemietet. Diese Trennung von Rechenleistung und Datenspeicherung ist der Kern der Lösung: Die eigentlichen Dokumente bleiben im Haus, während die Technik von außen zugekauft wird.
In das System wurden rund 2.000 Seiten interner Dokumente integriert. Technisch geschieht das über ein sogenanntes Retrieval-Augmented-Generation-System, das dem Sprachmodell erlaubt, auf diese Inhalte zuzugreifen, ohne sie öffentlich verfügbar zu machen.
Wie der Weg zu diesem System aussah
Das Startup BReact, mit dem die Stadtwerke zusammenarbeiteten, wurde 2022 in Wien gegründet. Für das Projekt in Klagenfurt war laut Weratschnig die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice entscheidend, ohne die sich das Vorhaben in dieser Form nicht realisieren ließ.
Das finanzielle Gesamtinvestment lag laut Weratschnig im fast sechsstelligen Bereich. Damit bewegt sich das Projekt deutlich unterhalb dessen, was ein vollständig neu entwickeltes KI-System ohne Förderung und ohne bestehende Startup-Technologie gekostet hätte.
Welche Stationen das Projekt durchlief
- Die Zusammenarbeit mit dem KI-Startup BReact bildete den technischen Ausgangspunkt des Projekts.
- Die Integration interner Dokumente erfolgte über ein Retrieval-Augmented-Generation-System.
- Die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice sicherte laut Weratschnig die Finanzierung ab.
- Das Tool wurde schrittweise als internes Web-Service für die Mitarbeiter bereitgestellt.
Was das Mindset hinter der Lösung ausmacht
Die Grundhaltung hinter Susi-Sorglos lässt sich an der Architektur ablesen: Kontrolle über die eigenen Daten wiegt schwerer als die Bequemlichkeit eines fertigen Cloud-Dienstes. Diese Entscheidung bedeutet mehr Aufwand bei Aufbau und Betrieb, schafft aber laut Weratschnig die Grundlage dafür, dass Mitarbeiter auch mit vertraulichen Kunden-Dokumenten arbeiten können, ohne auf externe Server zurückzugreifen.
Dass sich dieser Ansatz nicht nur auf Klagenfurt beschränkt, zeigt die Entwicklung rund um das verwendete Sprachmodell: Das Potenzial des französischen KI-Pioniers Mistral AI veranlasste das Unternehmen im Mai 2026 zur Übernahme des Linzer KI-Startups Emmi AI, um in Österreich einen eigenen Forschungsstandort zu errichten. Dieser strategische Schritt unterstreicht das wachsende Interesse heimischer Unternehmen an zukunftsfähigen KI-Lösungen auf Basis der Mistral-Modelle.
Was als Nächstes für das Projekt ansteht
Mit der schrittweisen Einführung als internes Web-Service ist Susi-Sorglos bei den Stadtwerken Klagenfurt im laufenden Betrieb angekommen. Zu konkreten weiteren Ausbauschritten liegen keine belegten Angaben vor.