Wie denken Menschen, die österreichische KMU fit für die Zukunft machen wollen? Marie-Therese Barth und Florian Moosbeckhofer gründeten vor rund sieben Jahren das Unternehmen We Are Unicorns und arbeiten seither mit Betrieben an Zukunftsthemen. Ihr zentrales Werkzeug, das Future Radar, soll Unternehmen zeigen, wo sie stehen – und was als Nächstes zu tun ist.
Das Duo versteht das eigene Unternehmen als eine Art Innovationsabteilung als Service: Komplexe Zukunftsthemen werden in verständliche Handlungsfelder übersetzt, statt als abstrakte Trendberichte liegen zu bleiben. Dieser Anspruch zieht sich durch alles, was Barth und Moosbeckhofer seither aufgebaut haben.
Was das Future Radar für österreichische KMU leistet?
Das Future Radar bewertet, wie zukunftsfest ein Unternehmen aufgestellt ist, anhand von fünf Dimensionen: Mitarbeitende, Struktur und Unternehmenskultur; digitale Abläufe, Automatisierung und künstliche Intelligenz; Kundenbeziehungen, Vertriebswege und Serviceleistungen; neue Geschäftsmodelle und Plattformlösungen sowie der Umgang mit Energie, Kosten und Nachhaltigkeit.
Entwickelt wurde es in Co-Creation-Workshops gemeinsam mit österreichischen KMU sowie mit Partnern aus Universitäten und Forschung.
- Das Werkzeug identifiziert 55 konkrete Chancen für Betriebe.
- Ein eigens entwickelter KI-Assistent ordnet Themen ein und leitet nächste Schritte ab.
- We Are Unicorns arbeitet seit rund sieben Jahren an Zukunftsthemen mit Betrieben.
- Entwickelt wurde das Future Radar gemeinsam mit heimischen KMU und Forschungspartnern.
Wie die Reise durch Japan ihre Idee schärfte?
Einen Teil ihrer Inspiration holten sich Barth und Moosbeckhofer in Japan. Im Umfeld des CIC Tokyo ist unter dem Dach von Venture Café Japan eine offene Gemeinschaft für Innovation entstanden, an der sich beispielhaft zeigt, wie verschiedene Akteure gemeinsam an Zukunftsfragen arbeiten.
In Yokohama dient der örtliche Tech Hub internationalen Start-ups und mittelständischen Unternehmen als Anlaufstelle für den sanften Markteinstieg, zugleich hat die Stadt das Thema Nachhaltigkeit bis zum Jahr 2029 verbindlich in ihrem mittelfristigen Entwicklungsplan festgeschrieben.
Auch das Unternehmen Qubitcore mit Sitz in Yokohama zählt zu diesem Umfeld: Es entwickelt Hardware für Quantencomputer und entstand ursprünglich aus Forschungsarbeiten am Okinawa Institute of Science and Technology.
Was als Nächstes aus der Zusammenarbeit mit Kokuyo werden könnte?
Eine besondere Rolle in diesem Austausch nimmt der japanische Konzern Kokuyo ein: Seit über 120 Jahren widmet er sich der Frage, wie Menschen arbeiten und lernen, und testet seit den 1960er-Jahren in den eigenen Büroräumen neue Ansätze.
Kentaro Imai von Kokuyo erklärt, Ideen ließen sich nicht einfach von einem Land ins andere übertragen, sondern müssten sprachlich, kulturell und organisatorisch angepasst werden – eine Sichtweise, die sich mit dem Ansatz von We Are Unicorns trifft.
Kokuyo hat Bereiche seiner Konzernzentrale, The Campus in Tokio-Shinagawa, für die umliegende Nachbarschaft zugänglich gemacht, samt Park, Geschäft und Café. Imai sagt, dass digitale Technologie zwar Kommunikation über enorme Distanzen ermögliche, allein daraus aber noch kein Vertrauen, keine Zugehörigkeit und keine Zusammenarbeit entstehe.
Er geht davon aus, dass We Are Unicorns und das Future Radar gemeinsam mit Kokuyo eine Chance identifizieren und in konkrete Arbeitsweisen, Umgebungen und Pilotprojekte übersetzen könnten.
Für Barth und Moosbeckhofer liegt genau darin die nächste Aufgabe: aus Begegnungen wie jenen in Yokohama und Tokio reale Handlungsfelder für österreichische Betriebe zu machen, statt bei der Beobachtung eines fremden Innovationsökosystems stehen zu bleiben.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.