Nach fast drei Jahrzehnten in einer Bank wechselte Waltraud Payr den Beruf: von der Kundenbetreuung am Schalter in die Trainingshalle. Heute betreut die diplomierte Fitness- und Gesundheitstrainerin aus Anthering Klienten, die nach Verletzungen zurückkommen, mit chronischen Schmerzen leben oder schlicht wieder Energie im Alltag suchen. Im Gespräch mit Gewinner.de erzählt sie, welches Mindset hinter diesem Neustart steckt, warum Rückschläge im Training zum Prozess gehören und woran sie erkennt, dass ein Klient langfristig dabeibleibt.
Gewinner.de: Frau Payr, Sie waren rund 28 Jahre in einer Bank tätig. Was gab den Ausschlag, sich beruflich ganz dem Sport zuzuwenden?
Waltraud Payr: Es war keine plötzliche Entscheidung, sondern ein langer Prozess. Während meiner Karenzzeiten – ich habe drei Kinder – habe ich eine Ausbildung nach der anderen gemacht, angefangen 2014 mit der Übungsleiterausbildung. Parallel dazu habe ich im Sportverein Gruppentrainings übernommen, und plötzlich standen dort doppelt so viele Leute wie vorher. Diese Resonanz hat mir gezeigt, dass in diesem Bereich mehr möglich ist. 2017 habe ich mein Unternehmen gegründet, zunächst nebenberuflich, 2019 folgte dann der vollständige Schritt in die Selbstständigkeit mit Waltraud Payr. Rückblickend war die Bankzeit keine verlorene Zeit. Der Umgang mit Menschen und ihren Anliegen ist dort wie hier entscheidend.
Gewinner.de: Motivation ist das Stichwort, an dem die meisten Trainingsvorhaben scheitern. Wie gehen Sie damit um?
Waltraud Payr: Motivation wird überschätzt, Struktur wird unterschätzt. Wer wartet, bis die Lust kommt, wartet oft sehr lange. Deshalb beginnt bei mir jede Betreuung mit einer ausführlichen Neuro- und Bewegungsanalyse über zweimal 90 Minuten, anschließend besprechen wir die Ergebnisse in einer eigenen Einheit. Wenn jemand schwarz auf weiß sieht, wo die Schwachstellen liegen und welcher Weg zum Ziel führt, entsteht eine ganz andere Verbindlichkeit. Dazu kommt ein Faktor, den viele nicht berücksichtigen: Im neurozentrierten Training sind Veränderungen oft sofort spürbar – ein Test vorher, eine kurze Übung, ein Test nachher. Dieses unmittelbare Erfolgserlebnis wirkt länger nach als jeder gute Vorsatz.
Gewinner.de: Gehören Rückschläge in Ihrer Arbeit dazu?
Waltraud Payr: Selbstverständlich, und ich halte es für unehrlich, das zu verschweigen. Es gibt Phasen, in denen Fortschritte stagnieren, weil der Schlaf schlecht ist, die berufliche Belastung hoch ist oder eine Infektion dazwischenkommt. Für mich ist das kein Scheitern, sondern eine Information: Der Körper ist ein System, in dem Atmung, Stress, Ernährung und Bewegung ineinandergreifen. Wenn das Training nicht wirkt, suche ich die Ursache an anderer Stelle, manchmal liegt sie im Atemmuster, manchmal in der Regeneration. Auch mein eigener Weg verlief nicht geradlinig; die Entscheidung, mit Mitte vierzig einen sicheren Job zu verlassen, war alles andere als bequem. Was hilft, ist Geduld mit dem Prozess und Konsequenz gegenüber Ausreden.
Gewinner.de: Womit haben Sporteinsteiger typischerweise am meisten zu kämpfen?
Waltraud Payr: Mit ihren eigenen Erwartungen. Viele wollen dort weitermachen, wo sie vor fünfzehn Jahren aufgehört haben, und sind frustriert, wenn der Körper das nicht zulässt. Ein zweites Thema ist die Angst, sich zu blamieren oder etwas falsch zu machen, gerade das spricht für eine Eins-zu-eins-Betreuung, weil ich durch jede Übung führe und sofort korrigiere. Und dann existiert noch die Vorstellung, Personal Training in Salzburg sei ein Luxus für Leistungssportler. Tatsächlich trainieren bei mir Menschen mit Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden oder Konzentrationsproblemen genauso wie Wettkampfsportler in der Saisonvorbereitung. Sporteinsteiger brauchen keinen härteren Plan, sondern einen passenderen.
Gewinner.de: Gibt es ein Kundenergebnis, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Waltraud Payr: Zwei Anrufe vergesse ich nicht. Eine Klientin konnte ihre bereits geplante Schulteroperation absagen, weil sich ihre Beschwerden im Training so deutlich zurückgebildet hatten. Bei einer anderen Klientin stand eine Versteifung der Lendenwirbelsäule zur Diskussion – gemeinsam mit ihrem Physiotherapeuten haben wir diesen Eingriff abwenden können, und sie geht heute wieder all ihren Hobbys nach. Solche Verläufe sind keine Wunder, sondern das Ergebnis von sauberer Analyse, Zusammenarbeit mit Medizin und Therapie sowie konsequenter Arbeit über Monate. Genau dafür mache ich diesen Beruf. Wichtig ist mir aber die Einordnung: Ich ersetze keine ärztliche Behandlung, ich ergänze sie.
Gewinner.de: Was empfehlen Sie Menschen, die nicht nur kurzfristig etwas verändern wollen?
Waltraud Payr: Erstens: klein anfangen, dafür regelmäßig. Zwei fordernde Einheiten pro Woche, die tatsächlich stattfinden, sind wirksamer als fünf geplante, von denen drei ausfallen. Zweitens: den Ausgangspunkt kennen. Ohne Analyse trainiert man ohne klare Richtung, und wer chronische Schmerzen lindern möchte, braucht ohnehin ein gezieltes Vorgehen statt eines Standardprogramms. Drittens: Abwechslung zulassen. Das Nervensystem braucht neue Reize, und wer Freude an der Bewegung hat, bleibt dabei, deshalb lege ich viel Wert darauf, dass im Training auch gelacht wird. Viertens: auf das Umfeld achten. Schlaf, Atmung, Stressmanagement und Nährstoffe entscheiden mit darüber, ob jemand seine Leistung steigern kann oder keine Fortschritte macht.
Gewinner.de: Wie sieht Ihre langfristige Vision aus?
Waltraud Payr: Longevity ist für mich kein Modewort, sondern ein sehr konkretes Ziel. Ich möchte, dass Menschen mit siebzig oder achtzig noch mit den Enkelkindern Ski fahren, auf Berge steigen oder eine Radtour machen können. Dafür arbeite ich an der Schnittstelle von Neuroathletik und funktionellem Training, aktuell vertiefe ich das Thema mit einer Ausbildung zum Vital- und Nährstoffcoach. Der schönste Satz wäre für mich, wenn jemand auf die Frage nach seiner Fitness im Alter antwortet: Darauf habe ich hintrainiert. Erfolg messe ich nicht in Kilogramm auf der Hantel, sondern in gewonnenen Jahren mit Lebensqualität.
Wer mehr über die Arbeitsweise, die Neuro- und Bewegungsanalyse sowie das kostenlose Erstgespräch erfahren möchte, findet alle Informationen unter www.gesundefitness.at.
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Waltraud Payr
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Waltraud.payr@outlook.com | traudi.payr@sbg.at
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